Wiebes Weitwinkel
Bionade für die Börse

Suchte man ein Lehrbuchbeispiel für einen idealen Börsenkandidaten, dann fiele sofort die Firma Bionade auf. Ihr Produkt versteht jeder Kleinanleger - und jeder kann es testen. Trotz aller Vorteile des Ökögetränks bleibt aber eine Gefahr.

Bionade folgt einem echten Verbraucherbedürfnis: Traditionelle Limonade ist vielen Leuten zu süß. Eltern sorgen sich zudem, dass ihre Kinder zu viel Zucker konsumieren, und immer mehr Leute müssen wegen Übergewichts darauf achten.

Außerdem passt die Marke perfekt zum Produkt - jeder versteht sofort, worum es geht, man kann sie sich merken und sie funktioniert auch in anderen Sprachen. Die Verpackung, dieser leicht altmodische Touch der Flaschen und der Beschriftung, passt ebenfalls: Biofreaks sind im Herzen konservativ, und die Generation der um die Gesundheit ihrer Sprösslinge besorgten Eltern erinnert sich an die 50er- und 60er- Jahre als goldene Kindheit. Auch der Hintergrund einer mittelständischen Unternehmerfamilie und der Firmensitz in der Rhön, wo die Luft (wenn nicht gerade Gülle ausgefahren wird) noch rein und die Löhne niedrig sind - alles passt zur Story, man könnte sie sich so gut nicht einmal ausdenken. Das Wachstum stimmt ebenfalls: Die Umsätze explodieren, Bionade gibt es inzwischen sogar in Moskau. Außerdem folgt Bionade gleich mehreren Megatrends und würde daher auch in entsprechende Themenfonds passen: Ökowelle, Wellness-Welle, Health-Care, mit ein bisschen Fantasie bekäme man den Biosprudel sogar in Fonds mit "Jugendprodukten" oder solchen, die vom demographischen Wandel profitieren sollen (wegen der zunehmenden "Altersdiabetes). Für die einen wäre es eine grüne Aktie, für die anderen der ideale deutsche Mittelständler.

Bliebe die Gefahr, dass jemand das Konzept einfach kopiert. Die ist nicht zu unterschätzen. Aber inzwischen sind die Wellness-Wässerchen so bekannt, dass wahrscheinlich doch jeder lieber das Original als die Kopie kaufen würde. Und die Idee, mit einer Billig-Kopie zu kommen, verspräche auch nicht allzu viel Erfolg - schließlich gehört es irgendwie dazu, für "Qualitäts-Bio" auch was Ordentliches zu bezahlen.

Das alles heißt nicht, dass Bionade wirklich an die Börse geht. Das will die Familie erst dann tun, wenn sie das Wachstum wirklich nicht mehr anders finanzieren kann. Also Prost, Investmentbanker, jeder Schluck bringt Euch einem potenziellen Deal näher.

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