Wiebes Weitwinkel
Bremsklötze für Anleger

Vergessen wir all die vielen Details rund um die Privatisierung der Deutschen Bahn. Fragen wir uns einfach: Wer soll eigentlich beim künftigen Börsengang die Aktien kaufen? Die Liste der positiven Punkte ist kurz, die der Minuspunkte dafür umso länger.
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Überlassen wir die Frage, wie sinnvoll es ist, ein komplexes, zusammenhängendes System aus Schienen, Signalanlagen und "rollendem Material" auf zwei Unternehmen aufzuteilen, den Technikern und Kaufleuten. Überlassen wir die Frage, zu welchen Preisen diese beiden Unternehmen untereinander abrechnen sollen, den Controllern. Und den Ordnungspolitikern überlassen wir die Frage, wie sinnvoll es ist, aus einem nationalen Bahnunternehmen, das zu 100 Prozent dem Staat gehört, ein internationales Konglomerat zu machen, das immer noch zu gut 75 Prozent dem Staat gehört, und das im Nahverkehr weiterhin den Staat als Großkunden hat.

Fragen wir uns einfach: Wer soll eigentlich beim künftigen Börsengang der Bahn die Aktien kaufen? Es gibt einiges, das für die Papiere spricht. So soll offenbar ein großer Teil der Mittel aus dem Börsengang in das Unternehmen fließen. Positiv ist auch, dass sich der Voreigentümer nicht auf einen Schlag völlig verabschiedet, sondern in der Verantwortung bleibt.

Damit ist die Liste der positiven Punkte aber auch schon beendet. Und ihr gegenüber steht eine weitaus längere Liste mit Minuspunkten. Die künftigen Aktionäre werden kaum Einfluss haben, weil der Staat gut 75 Prozent behält. Außerdem wird das künftige Unternehmen im Kerngeschäft auf Gedeih und Verderb abhängig sein von den Investitionen ins Schienennetz, die aber weiterhin der finanziell stets klamme Staat tätigen muss.

Sollte die ganze Privatisierung tatsächlich ihren Zweck erreichen und den Wettbewerb auf der Schiene fördern, dann dürfte die Bahn AG in diesem Kerngeschäft mächtig unter Druck geraten. Das schönste Parallel-Beispiel bietet die Deutsche Telekom mit ihrem Schwund im Festnetz.

Dazu kommt, dass sich unabhängig von den Eigentumsverhältnissen auch künftig die Politik ins Geschäft mischen wird. Weil die Infrastruktur sogar laut Grundgesetz eine staatliche Aufgabe ist, ist das nicht nur ihr gutes Recht, sondern sogar ihre Pflicht.

Fazit: Die Aktien müssen schon zu einem verdammt attraktiven Preis ausgegeben werden, damit sich der Einstieg lohnt. Das heißt aber auch: Das Kapital aus dem Börsengang wird teuer für die Bahn, wenn die Anleger halbwegs bei Verstand bleiben.

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