Wiebes Weitwinkel
Buffett gibt zu denken

Da spendet einer mehr als 30 Milliarden Dollar – einen großen Teil seines Vermögens – für einen guten Zweck. Eine Rekordsumme – aber kurze Zeit später ist die Sache abgehakt, fast schon wieder vergessen. Wer die Kommentare zum Geschenk des legendären US-Investors Warren Buffett an die Gates-Stiftung gelesen hat, stellt auch fest: Große Begeisterung war da nicht zu spüren. Eher ein wenig Ratlosigkeit, hier und da skeptische Untertöne. Woran liegt das? Was muss einer noch anstellen, damit man ihm zubilligt, etwas Gutes getan zu haben?

Ursache dieser Zurückhaltung ist wahrscheinlich, dass Buffett mit seiner Stiftung die eingefahrene Weltsicht vieler Leute beschädigt hat. Wer Spekulanten und Milliardäre grundsätzlich für schlechte Menschen hält, kann diese Spende für sich nicht einsortieren. Handelt es sich um pure Eitelkeit? Nicht einmal diesen Vorwurf kann man Buffett machen, schließlich hat er seinen Namen nicht mit der Gabe verknüpft, was neben der schieren Summe auch schon ungewöhnlich ist.

Will Buffett sich so Macht und Einfluss sichern? Auch das passt nicht. Der Mann hat sich immer nur für Geld interessiert, ist schon alt, und die Gates-Stiftung versucht, Kinder vor Krankheiten zu retten – da ist keine politische Schlagseite spürbar.

Buffett stellt aber auch das Weltbild der Leute in Frage, die den Kapitalismus zu ihrer Religion gemacht haben. Denn offenbar gibt es doch wichtigere Dinge, als Geld für sich persönlich zu scheffeln. Offenbar sind Leute, die – zum Beispiel mit finanzieller Hilfe der Gates-Stiftung – Kinder in Afrika retten wollen, doch Helden und nicht einfach nur „Gutmenschen“, wie ja heute jeder, der noch an irgendetwas glaubt, schnell abqualifiziert wird.

Ein wenig schwingt bei der großen Spende auch die Erkenntnis mit, die der Vater von Bill Gates gern verkündet: dass Reichtum nicht nur individueller Verdienst ist, sondern auch der Gesellschaft geschuldet, in der andere Leute hart erarbeiten, was einzelne Unternehmer oder Investoren dann mit Geschick und Weitsicht vereinnahmen. Kein Zufall, dass Milliardäre wie Gates und Buffett kein Problem mit der Erbschaftsteuer haben. Auch das passt vielen Leuten nicht ins Weltbild.

Wir sollten Buffett dankbar sein – auch dafür, dass er unser Weltbild durcheinander bringt.

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