Wiebes Weitwinkel
Cops in Lederhosen

Bislang galten deutsche Behörden nichts als eifrigste ihrer Zunft. So ist es bezeichnend, dass die beteiligten im Korruptionsfall Siemens mehr Angst vor der US-Börsenaufsicht, als vor Konsequenzen in der Heimat hatten. Der entschlossene Zugriff in der Steueraffäre könnte diese Verhältnisse nun ändern.
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Beim "Wall Street Journal" stand es so auf der Homepage: "Investigators conduct raids in munich." Die Razzien fanden zwar nicht nur in München statt. Aber "munich", die Stadt, wo the octoberfest stattfindet, kennen die Amerikaner gut. Da können sie sich vorstellen, wie die Cops in Lederhosen anrücken und den geschockten Steuersünder beim Weißwurscht-Frühstück überfallen.

Das Beispiel zeigt: Die Welt schaut auf uns. Der Fall Zumwinkel & Freunde stößt international auf lebhaftes Interesse. Und bei allem, was an der Affäre abstoßend ist, hat sie auch ein Gutes. Sie sendet, frei nach einem alten Werbespruch von Ford, das Signal aus: Die tun was.

Lange Zeit galten deutsche Behörden im Ausland eher als lasch. Typisch das Urteil eines amerikanischen Bankvorstands, der vor ein paar Jahren erzählte: "Bei uns in New York holen die einen morgens aus dem Bett, wenn es Verdacht auf Insidergeschäfte gibt. In Deutschland gibt es so was doch gar nicht." Auffällig auch, dass man bei Siemens wegen der eigenen Korruptionsfälle offenbar mehr Angst vor der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC hatte als vor deutschen Dienststellen.

Sicher, es ist viel passiert in den letzten Jahren. Es gibt jetzt auch in Deutschland eine Gesetzgebung gegen Insider-Handel. Es gibt Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften. Es gibt Verfahren, bei denen die Sünden der Vergangenheit ans Tageslicht kommen. Aber es gibt bei der Justiz auch immer noch jede Menge Hilflosigkeit gegenüber Wirtschaftsstraftaten aller Art bis hin zum Anlagebetrug, für die Deutschland ja ein Mekka ist.

Die drastischen Schlagzeilen und Bilder, die jetzt um die Welt gehen, vernebeln natürlich auch einiges. Zum Beispiel die Tatsache, dass ein Finanzminister und sein Staatsekretär in den Aufsichtsgremien selig geschlafen haben, während die KfW-Tochter IKB ihr Geld verzockte. Oder den Skandal, dass der Staat Milliarden in Banken pumpt, die gezeigt haben, dass sie damit nicht umgehen können, während gleichzeitig den Schulen das Geld fehlt, ihren Schülern mittags was Vernünftiges zum Essen anzubieten.

Aber seien wir mal optimistisch und sagen: Das Glas ist halb voll. Es tut sich was. Und das darf auch ruhig ein bisschen inszeniert werden.

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