Wiebes Weitwinkel
Das Prinzip Eichhörnchen

Für die bevorstehende Rezession sind die Finanzinstitute nur bedingt gerüstet: Sie haben in den vergangenen Jahren ihre Kapitaldecke bewusst dünn gehalten, um ihren Aktionären eine hohe Eigenkapitalrendite zu bieten. Jetzt verfolgen die Banken eine ganz andere Taktik.

Die Banken pumpen jeden an, der noch Geld hat: den Staat (zum Beispiel die Commerzbank), den Kapitalmarkt (Santander bekommt da noch Geld), den Milliardär Warren Buffett (Goldman) oder den alten Freund Gaddafi (Unicredit). Ursache ist zum Teil die schiere Geldnot, verursacht durch immer neue Abschreibungen auf vergiftete Wertpapiere mit seltsamen Abkürzungen wie CDO oder MBS, die längst im Wörterbuch des Teufels eingetragen sind.

Es gibt aber noch ein weiteres Motiv für den Sammeltrieb: das Prinzip Eichhörnchen. Die Banken legen sich einen Vorrat an, um damit die harte, frostige Zeit, die vor ihnen liegt, zu überstehen.

Die Branche hat dabei mit zwei Ungewissheiten zu kämpfen. Erstens weiß keiner, wie tief und vor allem wie anhaltend die Rezession wird, in die wir gerade hineinrutschen. Daher ist auch schwer abzuschätzen, wie viele Abschreibungen bald im ganz normalen Geschäft anfallen werden.

Der zweite Punkt: Keiner weiß, auf welche Mindestkapitalquoten sich die Politiker und Aufseher im Endeffekt einigen werden. Werden es sechs Prozent sein oder acht oder gar zehn? Im Moment ist es sehr angesagt, sich gleich auf zehn Prozent hinaufzuhangeln, wobei längst nicht alle Institute dieses Niveau erreichen. Auf längere Sicht könnte sich aber auch ein "atmendes Modell" durchsetzen. Die Spanier haben so etwas schon: In guten Zeiten müssen die Banken dort besonders viel Vorräte anlegen, in schlechten Perioden dürfen sie etwas herunter mit der Quote. Die Idee dahinter ist, dem Zyklus der Branche entgegenzuwirken, statt ihn womöglich noch zu verstärken, indem man in guten Zeiten nicht so genau hinschaut und in schlechten plötzlich die Kapitalanforderungen hochschraubt - was jetzt in vielen Ländern passiert ist.

Das atmende Modell ist also in der Theorie sehr gut. In der Praxis hat es den Nachteil, dass keine Aufsichtsbehörde so genau weiß, wie der Zyklus der Konjunktur im Allgemeinen und der der Bankbranche im Speziellen verlaufen wird. Außerdem könnte es sehr schnell Abweichungen von Land zu Land geben, so dass am Ende die Banken nie genau wissen, wie viel Kapital sie denn nun brauchen. Ein guter Grund, noch ein paar Eicheln mehr zu vergraben.

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