Wiebes Weitwinkel
Der clevere Ackermann

Diskretion, Vorsicht, Weitsicht, Kundennähe - das sind die klassischen Bankertugenden. Spätestens seit der Finanzkrise kommt eine weitere hinzu: Cleverness. In dem Punkt glänzt Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank. Sein Institut wird zurzeit sogar in einem Atemzug mit der Wall-Street-Legende Goldman Sachs genannt.

Beide Häuser haben es bisher geschafft, die große internationale Finanzkrise einigermaßen unbeschadet zu bestehen. Und das, obwohl beide bei den Geschäften, die diese Krise letztlich herbeigeführt haben, kräftig mitgemischt und auch glänzend daran verdient haben. Die Deutsche Bank musste zwar, anders als Goldman Sachs, eine deutliche Ertragsdelle verbuchen. Aber sie war überschaubar, und Ackermann hat sie der Öffentlichkeit geschickt verkauft. Deswegen wird er heute näher beim Star Goldman Sachs als bei Häusern wie Merrill Lynch und Citigroup genannt, die nach riesigen Abschreibungen ihre Chefs gefeuert haben. Ackermann wurde ja sogar als möglicher Chef für Merrill oder Citi genannt - wahrscheinlich nur ein Gerücht, aber es zeigt, wie er geschätzt wird.

Wer clever ist, macht sich damit nicht nur Freunde. Ackermann musste sich die Kritik gefallen lassen, er habe einer fachlich überforderten Bank wie der IKB erst dubiose Papiere verkauft und dann die daraus resultierenden Probleme der gesamten Branche, die die IKB auffangen musste, aufgehalst. Und bei Goldman Sachs fragte kürzlich der Kolumnist Herb Greenberg von Marketwatch.com nach: "Haben Sie etwa gleichzeitig noch dieses Subprime-Zeug verkauft und mit ihrem eigenen Geld schon auf ein Abschmieren des Marktes gesetzt?" Seine Frage blieb unbeantwortet.

Insgesamt dürfte aber die Erleichterung überwiegen. Vor allem in der deutschen Bankbranche. Nach dem Motto: Wir haben nicht nur mehr oder minder gut funktionierende Landesbanken und andere nur noch historisch zu erklärende Skurrilitäten, sondern wenigstens ein Institut, das ganz oben mitspielt und sich dabei sogar geschickter anstellt als viele amerikanische Konkurrenten. Das tut der deutschen Seele gut. Auch wenn Ackermann Schweizer ist und viele seiner Goldjungs in London sitzen und von Deutschland wahrscheinlich nur die Weißwurst kennen.

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