Wiebes Weitwinkel
Der Fall Verbio

Der Biodieselhersteller Verbio, vor ein paar Monaten hoffnungsvoll an der Börse gestartet, ist Anfang der Woche eingebrochen, weil das Unternehmen seine Gewinnziele deutlich gesenkt hat. Zu hohe Steuern auf Biosprit, zu große Konkurrenz von anderen Herstellern – so lautete in Kurzform die Begründung des Börsenneulings dafür, seine Prognose zurückzunehmen. Was das Beispiel uns lehrt.

Zum einen zeigt es die Gefahren auf, die bei Unternehmen lauern, deren Geschäftsmodelle wesentlich vom Staat abhängig sind – von speziellen Steuern, Subventionen oder Vorschriften. Von diesen Problemen können schon die Käufer der T-Aktie ein Lied singen; sie spielen aber im gesamten Energiebereich eine große Rolle. Das Risiko kommt zu anderen Gefahrenquellen, die im Markt lauern, einfach hinzu und wird zu selten klar erkannt und berücksichtigt.

Der zweite Punkt: Verbio lässt vermuten, dass vieles, was mit „Öko“ zu tun hat, an der Börse ziemlich aufgeblasen ist. Und das wird durch die Klimadiskussion möglicherweise noch angeheizt. Bei nüchterner Betrachtung ist aber nicht zu übersehen: Ja, das Klimaproblem ist riesengroß. Ja, Energie aus Sonne, Wind oder nachwachsenden Rohstoffen ist eine feine Sache. Aber übersehen wird gerne: Die Gesamtbilanz alternativer Energien ist häufig nicht so toll wie vermutet – es kostet ja auch Energie, Solarmodule herzustellen oder nachwachsende Rohstoffe anzubauen. Den Durchbruch ins „solare Zeitalter“ können wir bis zum Ende unserer persönlichen Lebensspanne kaum erhoffen. Dementsprechend zurückhaltend sollten aber auch die wirtschaftlichen Chancen der Hoffnungswerte beurteilt werden.

Wer sich als Investor speziell für „nachhaltige“ Anlagen interessiert, für den hält der Fall Verbio auch eine Lehre bereit. Es gibt Fonds, Indizes und Zertifikate, die sehr stark von alternativen Energieanbietern abhängen – ihnen zum Teil sogar ihre überdurchschnittliche Wertentwicklung verdanken. Entsprechend hoch ist dort das Risiko. Andere Fonds streuen ihr Geld breit – sie suchen nicht „nachhaltige“ Branchen, sondern innerhalb jeder Branche die Unternehmen, die sich am besten dem nachhaltigen Wirtschaften verschrieben haben. Das zweite Konzept dürfte rein finanziell besehen nachhaltiger sein.

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