Wiebes Weitwinkel
Der Sparer soll es richten

Die Kapitamärkte geben den Banken kein Geld mehr, weil sie zu viel davon verzockt haben. Die Notenbanken können auch nicht ewig die Finanzbranche mit Liquidität überschwemmen. Die Geduld der Steuerzahler, Banken zu retten, lässt sich nicht ohne Ende strapazieren. Woher soll das Geld nun kommen?

Es gibt eine neues Schlagwort in der Bankenwelt. Es heißt (natürlich auf Englisch) "Funding". Gemeint ist, dass die Banken sich bemühen sollen, möglichst viel Geld von Sparern und anderen Kleinkunden einzusammeln. Sogar Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley denken darüber nach, nachdem sie gerade formell in "normale" Banken umgewandelt wurden und daher nun auch Einlagengeschäft machen dürfen. Auch der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank geht langfristig in diese Richtung: mehr Kunden, mehr Einlagen.

"Funding" - klingt gut, oder? Irgendwie so solide, nach traditionellem Bankgeschäft. Ein bisschen sogar nach "fund raising", also nach guten Menschen, die Spenden für löbliche Zwecke sammeln. Gier ist out, Tradition und Kundenpflege sind in.

Aber man kann die Story auch mal von der anderen Seite aufziehen. Es ist doch so: Die Kapitamärkte geben den Banken kein Geld mehr, weil sie zu viel davon verzockt haben. Die Notenbanken können auch nicht ewig die Finanzbranche mit Liquidität überschwemmen. Die Geduld der Steuerzahler, Banken zu retten, lässt sich nicht ohne Ende strapazieren. Die Chinesen, Koreaner und Araber haben nur noch sehr gebremste Lust, in westliche Banken zu investieren, nachdem die ihr Kapital verbrannt haben.

Der Branche geht, kurz gesagt das Geld aus. Und woher soll das Geld nun kommen? Übrig geblieben ist nur noch der Kleinanleger, der Sparer. Er soll der Bank jetzt brav sein Geld rüberschieben, nachdem der Rest der Welt das Vertrauen verloren hat. Und wer glaubt ernsthaft, dass mit der großen Finanzkrise Gier und Spekulation gestorben sind? Es geht munter weiter - nur unter anderen Rahmenbedingungen.

Die Investmentbanken wurden 1933 in den USA nach der großen Weltwirtschaftskrise von "normalen" Banken abgetrennt, weil der Gesetzgeber die Sparer davor schützen wollte, dass mit ihrem Geld zu wild spekuliert wird. Heute werden die Investmentbanken mehr oder minder gezwungen, sich als "normale" Banken neu zu erfinden und sich Sparergeld als Refinanzierung für ihre Spekulationen zu besorgen. Damals wollte die Politik die Kunden vor den Banken schützen. Heute will sie die Banken schützen - das ist der feine Unterschied.

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