Wiebes Weitwinkel
Die Allianz und der Staat

Haben die Aktionäre der Allianz schon einen Dankesbrief an ihre Kollegen von der Commerzbank geschrieben? Bei der Diskussion um Staatshilfen für die Banken wird meist übersehen, dass der größte Nutznießer dieses Programms die Allianz ist.

Man stelle sich vor, der Versicherungskonzern Allianz, dessen laufendes Geschäft deutlich unter Druck geraten ist, habe immer noch die marode Dresdner Bank, ein Milliardengrab, als Tochtergesellschaft am Hals. Commerzbank-Chef Martin Blessing verteidigt tapfer die Übernahme der Dresdner Bank als strategisch richtig. Tatsache ist aber: Ohne die Zusage staatlicher Hilfe hätte er den Deal wohl kaum stemmen können. Blessing hat vollzogen, was Politik, Finanzaufsicht und Medien (auch das "Handelsblatt") für richtig und notwendig hielten. Seine Aktionäre zahlen die Zeche und der Gewinner ist die Allianz.

Die Allianz profitiert aber noch in anderer Hinsicht von staatlichem Schutz. Fast alle Versicherer - und die Allianz ist der größte deutsche - haben Bankpapiere gekauft, die rechtlich zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt sind. Bei den staatlichen Rettungsaktionen werden die Gläubiger dieser Papiere geschützt, obwohl sie ja für eine erhöhte Rendite auch mehr Risiko übernehmen sollten. Offen ist, ob sie in einzelnen Fällen auf Zinszahlungen verzichten müssen. Das Kapital dürfte aber sicher sein - dank freundlicher Unterstützung des Staats.

Ein weiterer Punkt: Die US-Regierung sucht private Käufer für toxische Wertpapiere, um die amerikanischen Banken zu retten. Eine große Adresse, die hier immer wieder genannt wird, ist die Allianz-Tochter Pimco. Hier würde der Konzern in ganz anderer Weise vom Rettungsprogramm profitieren - als vermutlich gut bezahlter Gehilfe.

Die Allianz und der Staat - das ist also ein Thema mit vielen Facetten. Aber die Münchener haben es immer schon verstanden, bei heiklen Debatten in der Deckung zu bleiben. Ob es um "die Macht der Banken" oder die "Deutschland AG" ging: Immer stand die Deutsche Bank im Mittelpunkt der Diskussion. Nicht Deutschlands größter Finanzkonzern - das ist die Allianz. Heute ist es wieder so. Josef Ackermann hat das zweifelhafte Vergnügen, Deutschlands bekanntester Manager zu sein. Aber wer kennt schon Michael Diekmann?

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