Wiebes Weitwinkel
Die Katze im Sack

Das Beispiel der deutschen Landesbanken zeigt: Das gegenseitige Misstrauen der Banken führt nicht nur zu Verwerfungen auf dem Geldmarkt. Es behindert auch die Konsolidierung der Branche. Denn wer will schon die Katze im Sack kaufen?
  • 0

Um ein Haar wäre die Übernahme der SachsenLB durch die LBBW wegen ungeklärter Bilanzfragen doch noch gescheitert. Und Fusionen zwischen LBBW und WestLB oder BayernLB wären, selbst wenn die Politiker sie nicht zerschießen würden, noch schwieriger, nachdem jede Landesbank immer wieder Verluste aus der Finanzkrise eingestehen muss.

Wer will schon eine Katze im Sack kaufen? Niemand. Aber anders ist in der Finanzbranche gar keine Übernahme zu machen. Der Sack ist die Bilanz. Die Katze ist die wirkliche Finanzkraft der Bank. Über sie sollte die Bilanz eigentlich Aufschluss geben. Aber zurzeit gibt es weder Klarheit darüber, wie bestimmte Vermögensgegenstände bewertet werden sollten, noch darüber, ob überhaupt schon alles wichtige der Bilanz steht. Bei der IKB, die ja auch dringend verkauft werden soll, ist es noch schlimmer: Sie hat im Moment überhaupt keine gültige Bilanz.

So ergibt sich das Problem, dass ausgerechnet in der Finanzkrise, die eigentlich den Anstoß zu einer überfälligen Konsolidierung geben sollte, de facto Übernahmen gar nicht möglich sind. Einen Ausweg könnten nur Staatsgarantien bieten, die quasi für alle unerwarteten Verluste Ausgleich bieten - darauf dürfte es in den dringendsten Fällen dann auch hinauslaufen.

Ansonsten gibt es kaum vielversprechende Problemlösungen. Die Idee, den Wert einer Transaktion erst später genau festzulegen, trägt nicht sehr weit - keiner kann einschätzen, wann die Bankbilanzen wieder an Aussagekraft gewinnen. Das Konzept, für bestimmte Fälle Rücktrittsklauseln zu vereinbaren, kann zu albtraumhaften Zuständen führen. Außer für die Juristen: Wenn die Verträge so gestrickt sind, dass jede Seite glaubt, im Zweifel müsse die andere bluten, dann sind langwierige Prozesse schon abzusehen.

Möglicherweise kommt die nächste Konsolidierungsrunde also erst in ein oder zwei Jahren, oder noch später. Bis dahin zeigt sich vielleicht deutlicher, welche Banken ausgeblutet sind. Und welche mit hohen Abschreibungen stille Reserven gelegt und sich sogar gestärkt haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%