Wiebes Weitwinkel
Die Kunst des Ausgebens

Geld verdienen ist schwer. Geld ausgeben auch - wenn man so viel davon hat, dass einem eigentlich nichts mehr fehlt. Daher folgt hier eine kleine Typologie des Geldausgebens.

Typ eins: der Spender. Das ist die ganz große Nummer - Bill Gates und Warren Buffett haben es vorgemacht. Wer einen Haufen Geld für gute Zwecke spendet, erreicht dreierlei: Er zeigt, dass er es hat. Er zeigt, dass er ein guter, bescheidener Mensch ist und er wird trotzdem noch berühmter.

Typ zwei: der Verschwender. Das sind die Leute, die Rolls Royce oder dieses Teil aus Stuttgart - Maybach heißt das, oder? - fahren. Diese Leute sind aber eher uncool. Sie machen vor allem deutlich, dass für sie ein- oder zweihunderttausend Euro viel Geld sind - sonst wären sie ja nicht so stolz darauf, dass sie es herzeigen müssten. Für Leute, die richtig Geld verdienen (zum Beispiel viele Topmanager), ist das aber nur ein Klacks; sie könnten sich jeden Monat einen Rolls kaufen und hätten immer noch genug zum Leben. Außerdem: Wer protzt, gewinnt damit keine Sympathiepunkte.

Typ drei: der Genießer. Das sind die Leute, die sich eher ein paar schicke Apartments an den richtigen Orten kaufen statt auffällige Autos. Das kostet letztlich mehr Geld, bringt einen größeren Nutzen und man fällt nicht unangenehm auf. Allerdings wird es ab einer bestimmten Vermögensklasse schwierig mit dem stillen Genießen: Das viele Geld lässt sich dann gar nicht mehr vernünftig verbrauchen; außerdem beeinträchtigt ein zu hoher Bekanntheitsgrad die Lebensqualität. Und letztlich bleibt die Frage, wer eigentlich die Zeit hat, seine Apartments auch noch zu bewohnen.

Typ vier: der Unternehmer. Das ist die ganz hohe Schule - fast noch besser als der Spender. Das Modell eignet sich vor allem für Topmanager, die aussteigen und zeigen wollen, dass sie auch mit eigenem Geld und ohne ein paar tausend Mitarbeiter etwas auf die Beine stellen können - zum Beispiel eine Gesellschaft zur Wagnisfinanzierung. Natürlich ist ein Risiko dabei; es könnte schief gehen und alle merken, dass der Typ doch nicht so toll ist, wie man immer gedacht hatte.

Insofern ist Spenden sicherer: Das kommt immer gut an, und selbst wenn das Geld verplempert wird, fällt das nicht so auf.

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