Wiebes Weitwinkel
Die Optionen der Genossen

Es gibt in Deutschland Banken, die haben guten Zugang zum Kapitalmarkt, aber nicht so guten Zugang zur Masse der Kunden. Und es gibt Banken, die sind ganz dicht am Kunden, haben aber nicht so guten Zugang zum Kapitalmarkt.

In die erste Gruppe gehören die privaten Banken, deren Marktanteil im deutschen Massengeschäft bescheiden ist. In die zweite Gruppe gehören die Sparkassen und Genossenschaftsbanken: Sie sind überall zu finden und haben eine dezentrale Struktur, kurze Entscheidungswege.

Wenn die Genossenschaften jetzt laut darüber nachdenken, ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank, an die Börse zu bringen, dann ist das der Versuch, das Beste aus beiden Welten zu verbinden: dezentrale Struktur plus zentraler Zugang zum Kapitalmarkt. Genossenschaftliche Basis, kapitalistische Spitze.

Mischkonzerne aus Genossenschaften und börsennotierten Gesellschaften sind nicht ungewöhnlich. Ein Beispiel gibt es bei den Versicherern: Die Talanx-Gruppe gehört einem „Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit“ – das ist das Pendant der Genossenschaft in der Versicherungsbranche. Zugleich ist aber ihre Tochter, die Hannover Rück, an der Börse notiert. Und möglicherweise geht bald auch die gesamte Talanx-Gruppe an die Börse. Die Versicherungsbranche liefert noch weitere Lehrbeispiele: Die französische Axa, einer der weltweit größten Player, hat genossenschaftliche Wurzeln. Ein anderer Fall ist die deutsche HUK: Sie ist immer noch ein reinrassiger Versicherungsverein, macht aber mit Erfolg der Allianz die Spitzenposition im schwierigen Markt der Autoversicherer streitig.

Die Beispiele aus der Schwesterbranche zeigen: Genossenschaften haben alle Optionen. Sie sind viel weniger als die Sparkassen eingeengt von Gesetzen oder Politikern. Eine Parallele gibt es aber zum Sparkassensektor: In einer vielstimmigen Organisation ist es schwierig, eine einheitliche Strategie zu finden.

Die Genossenschaften sollten sich weder ängstlich an traditionelle Strukturen klammern, noch sich vom zweifelhaften Glanz der privaten Konzerne blenden lassen. Insofern wäre ein Börsengang der DZ Bank ein guter Schritt, der die Basis der Organisation intakt hält, sich aber im Bedarfsfall auch bis zur Umwandlung des gesamten Sektors ausbauen ließe.

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