Wiebes Weitwinkel
Dresdner Stärke

Einst war die Dresdner Bank die stolze Nummer zwei in Deutschland, mit starker Marke und Zugkraft im In- und Ausland. Als sie in die Krise geriet, wurde sie vom Allianz-Konzern übernommen. Lässt sich das Potenzial früherer Zeiten wiederbeleben?

Es tut schon ein bisschen weh, wenn man Werbung für die Dresdner Bank im Fernsehen sieht. Da laufen Leute „wie du und ich“ herum und führen Dialoge in dem Stil „Aber Schatz, die kennen sich da aus“ oder „Das ist nicht normal für eine Bank“. Diese Spots zeigen deutlich, wo die Konzernmutter Allianz ihre Bank positionieren will: irgendwo zwischen Sparkassen und Versicherungsvertretern. Das ist auch logisch: nur so passt sie in den Konzern und in ein umfassendes Allfinanzkonzept, bei dem Versicherungspolicen und Bankprodukte aus einer Hand verkauft werden. Aber wird es dem Potenzial der Bank gerecht?

Die Dresdner Bank war einst die stolze Nummer zwei in Deutschland. Sie hat eine starke Marke – mit Zugkraft im In- und Ausland. Sie galt einst als führende Wertpapierbank, als verankert im Geschäft mit vermögenden Kunden. Und diese Kunden sind heute wieder die wichtigsten Ertragsquellen für die Finanzbranche. Lässt sich dieses Potenzial beleben, bevor die Bank vollends zur Großsparkasse des Allianz-Konzerns mutiert ist?

Es geht nicht darum, der Allianz Fehler vorzuhalten. Sie hat vor sechs Jahren ihre Beteiligung an der Dresdner Bank zu einer Übernahme ausgebaut, um sie aus der Krise retten. Um aus der Not eine Tugend zu machen, hat sie sich der Allfinanz-Idee verschrieben, und dann mit mäßigem Erfolg die Bank saniert und den gemeinsamen Vertrieb angeschoben. Das alles war nicht falsch. Aber vielleicht gibt es heute bessere Möglichkeiten.

Der deutsche Bankenmarkt ist immer noch schwierig – jedoch viel besser als noch vor wenigen Jahren. Die Finanzbranche ist fusionswütig – wann, wenn nicht jetzt, besteht die Aussicht, Interessenten für ein deutsches Institut zu finden? Vielleicht gibt es doch eine Adresse, die ein gutes Filialnetz mit einer starken Markt im deutschen Markt zu schätzen wüsste – und das Know-how hätte, das Beste daraus zu machen. Unicredit zeigt mit der HVB gerade, das so etwas funktionieren kann.

Die Allianz müsste die Allfinanzidee daher nicht gleich wieder fallen lassen. Sie lässt sich auch durch Kooperationen realisieren – vor allem dann, wenn Versicherungs- und Bankgeschäft ohnehin unter zwei getrennten Marken laufen. Vielleicht ist an der Zeit, neue Ideen zu entwickeln.

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