Wiebes Weitwinkel: Dresdner Tradition

Wiebes Weitwinkel
Dresdner Tradition

Die Allianz ist vorsichtig in ihrer Markenpolitik. Das ist auch gut so: Wer traditionsreiche Namen streicht, vernichtet Werte. Jetzt hat Allianz-Chef Michael Diekmann aber angedeutet, es könne irgendwann so etwas wie eine „Allianz-Bank“ geben. Wird doch eines Tages die Dresdner Bank auf den Namen des Mutterkonzerns umgetauft? Es wäre ein riesiger Schritt.

„Allianz-Bank“ – irgend etwas in dieser Richtung haben in letzter Zeit auch andere Manager des Versicherungskonzerns gemurmelt, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Wird doch eines Tages die Dresdner Bank auf den Namen des Mutterkonzerns umgetauft?

Es wäre ein riesiger Schritt. Schließlich gehört die Dresdner Bank zum Urgestein der deutschen Kreditwirtschaft. Sie hat eine lange Geschichte; wenn auch nicht immer ruhmreich – im Dritten Reich stand sie dem Nazistaat besonders nah. Nach dem Krieg bildete sie aber mit Deutscher Bank und Commerzbank zusammen das Spitzentrio der Branche.

Aber wie viel zählt das letztlich? Steht der Name nicht eher für Vergangenheit als für Zukunft? Nur eine einzige große Marke zu haben, schafft Synergien – das lässt sich auf Dauer nicht ignorieren. Man müsste nur einmal dafür werben, dass „Allianz“ für – sagen wir kompetente Beratung und Finanzkraft – steht. Und nicht noch einmal ähnliche Sprüche für die Marke „Dresdner Bank“ klopfen.

Hinzu kommt: Wenn es nur noch eine Marke gibt, kann sich nach und nach eine einheitliche Firmenkultur herausbilden – andernfalls wird es immer heißen „die“ und „wir“. Und für die Verkäufer ist es leichter, sich mit einer Marke voll zu identifizieren als mit mehreren.

Vielleicht hilft auch ein Blick in die Schweiz. Der traditionsreiche „Schweizerische Bankverein“ tritt längst nur noch unter dem eigentlich nichts sagenden Kürzel „UBS“ auf. Und hat sich so eine starke Marke geschaffen.

Theoretisch gäbe es auch die Möglichkeit, die Marken anders abzugrenzen. Etwa so: Allianz für das breite Geschäft und Dresdner Bank für die noblen Adressen. Aber dann verfängt man sich sofort in der Problematik: welcher Kunde gehört in welchen Topf? Und man kann sich viel Ärger einhandeln, wenn Kunden sich falsch sortiert wiederfinden. Vielleicht sind die Tage der „Dresdner Bank“ also doch gezählt.

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