Wiebes Weitwinkel
Durchblick gefragt

Transparenz – dieses Thema schält sich als Kernpunkt in der Debatte um die Erneuerung des 100 Jahre alten Versicherungsvertragsgesetzes heraus. Und das ist gut so.

Die Diskussion über die Lebensversicherung ist nicht nur für den Laien verwirrend. Selbst die Profis überblicken nur noch mit Mühe die möglichen Konsequenzen, die sich aus der Neufassung des Gesetzes ergeben können. Wichtig ist daher für den Gesetzgeber, eine Grundlinie zu finden und daran festzuhalten.

Diese Grundlinie kann nur so aussehen: Der Kunde muss verstehen, was er kauft. Dafür sollte es aber möglichst geringe Eingriffe in die Vertragsfreiheit geben. Man muss daran erinnern: Niemand wird gezwungen, eine klassische Lebensversicherung abzuschließen. Wer sich daran stört, dass die Versicherer bei diesem Produkt stille Reserven in der Bilanz aufbauen, um Schwankungen der Kapitalmärkte abzufedern, der hat genug Alternativen, bei denen dieses Problem nicht besteht. Es gibt also eigentlich keinen Grund dafür, dass der Staat den Versicherern vorschreibt, die Hälfte dieser Reserven auszuschütten. Er würde völlig reichen, wenn die Versicherer dem Kunden klar vorrechnen, was sie mit seinem Geld anstellen.

So weit die Theorie. In der Praxis ist der Staat nicht mehr frei in seinen Vorgaben, denn die Rechtsprechung hat ihm bereits vorgeschrieben, die Kunden an den stillen Reserven zu beteiligen. Die Verbraucherschützer haben sich in dem Punkt durchgesetzt. Sie haben sich nie damit begnügt, Transparenz zu fordern, sondern wollten stets in die Gestaltung der Produkte eingreifen. Die Versicherer wiederum haben sich viel zu lange gegen jede Veränderung gesperrt und damit ihren Kritikern die Argumente geliefert. Sie haben zu spät von sich aus eine größere Transparenz vorgeschlagen. Jetzt müssen sie damit leben, dass der Staat, von der Justiz gezwungen, ihnen enge Vorschriften macht.

Alle sollten daraus lernen: Versicherungsmanager, Verbraucherschützer, Richter und Politiker. Und für die Zukunft daran arbeiten, dass die Versicherungswelt verständlicher wird. Wenn der Kunde versteht, was er kauft, dann kann er selbst entscheiden, was er haben will – dieser einfache Grundsatz ist zu lange vernachlässigt worden.

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