Wiebes Weitwinkel
Eine Frage des Glaubens

Die moderne Finanzwelt ist alles andere als materialistisch oder besonders skeptisch eingestellt. Im Zeitalter der Religionen und des deutschen Idealismus hat man meist noch mit Gold und Silber bezahlt, ganz materialistisch. Heute bezahlen wir mit Papier und virtuellen Buchungen und glauben, dass das tatsächlich Reichtum darstellt.

Geld hat mit Vertrauen zu tun. Und mit Glauben: Wir glauben, dass unser Geld etwas wert ist. Während in der Religion die Frage, ob und wie der Gegenstand des Glaubens überhaupt existiert, ein ewiges Problem ist, liegen die Verhältnisse beim Geld einfacher: Der Wert existiert, so lange wir daran glauben. Ein Philosoph würde vielleicht sagen, der Glaube konstituiert seinen eigenen Gegenstand. Klar ist damit, dass die moderne Finanzwelt alles andere als materialistisch oder besonders skeptisch eingestellt ist. Im Zeitalter der Religionen und des deutschen Idealismus hat man meist noch mit Gold und Silber bezahlt, ganz materialistisch. Heute bezahlen wir mit Papier und virtuellen Buchungen und glauben, dass das tatsächlich Reichtum darstellt.

Und wenn wir nicht mehr daran glauben? Hier und da taucht schon, mehr geraunt als offen ausgesprochen, die Vokabel "Währungsreform" auf. Eng damit verbunden ist die Vorstellung, die ganze Welt müsste ihre gesamten Schulden endlich mal bezahlen, damit wir wieder von vorn anfangen können. Oder die Angst, weil es zu viele Kredite gebe, könnten alle Schulden auf einmal gestrichen werden - das wäre ja dann die Währungsreform. Und hier und da taucht auch die Idee auf, doch wieder mit Gold und Silber zu bezahlen, damit die Banken wieder Teil der "realen Wirtschaft" werden.

So weit wird es nicht kommen, weil niemand Lust hat, Finanzgeschäfte mit einem Sack voll Edelmetall abzuwickeln. Und jeder Geldschein stellt schon einen Kredit. So ist das Papiergeld entstanden: Banken gaben Banknoten aus und finanzierten sich damit. Die Vorstellung, alle Kredite müssten bereinigt werden, geht daher zu weit. Selbst, wer die Banknoten unter die Matratze stopft, gibt damit der Notenbank einen Kredit. Wir entkommen dem Kreditsystem also niemals, auch nicht mit einer Währungsreform. Selbst die Bezugsscheine, die es in Notzeiten gab, waren nur Papier, "real" war lediglich die Zigarettenwährung der Schwarzmärkte. Die Frage ist heute, wie weit die überhöhten Kreditpyramiden abgetragen werden. Auch das ist eine Glaubensfrage: Wenn genügend Leute an den Aufschwung glauben, werden die Pyramiden wieder aufgebaut. Und solange nicht genügend Leute daran glauben, türmt der Staat als Ersatz neue Kredite auf.

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