WIEBES WEITWINKEL
Eine Rolle für Iris Berben

Vor Jahren gab es einen deutschen Film über den Schneider-Skandal bei der Deutschen Bank. "Peanuts - Die Bank zahlt alles" hieß der Streifen mit Iris Berben. Heute wäre ein neuer Film fällig: "Peanuts - der Staat zahlt alles". Frau Berben, sind Sie schon ausgebucht? Die Dänen haben eine neue Variante des Spiels erfunden: Die Zentralbank selbst übernimmt zusammen mit dem

Einlagensicherungsfonds des Landes die angeschlagene Roskilde Bank. Letztlich laufen aber alle Varianten zunächst auf dasselbe hinaus: Der Steuerzahler bezahlt. Oder er übernimmt zumindest das Risiko. In Deutschland ist das im Fall der IKB besonders grotesk verlaufen: Der Staat steckt Milliarden hinein, die Zeichner der IKB-Anleihen sind fein heraus. Die Amerikaner sind gerade dabei, die Hälfte ihres Immobilienmarktes zu verstaatlichen - so viel finanzieren die beiden Bauriesen Fannie Mae und Freddie Mac, die ohne Staatsgeld eingehen würden. Allerdings deutet sich dort an, dass auch die privaten Investoren bluten.

Es ist müßig, sich über den staatlichen Einsatz aufzuregen. Man kann tausendmal schwören, dass bei der nächsten Finanzkrise alles anders wird und der Staat dann den Bankern nicht mehr den Allerwertesten retten wird. Ben Bernanke, der US-Notenbankchef, hat sich am Wochenende so geäußert. Aber wird er tatenlos zuschauen, wenn jetzt eine große US-Bank, zum Beispiel Lehman, noch tiefer in die Krise rutschen sollte?

In Wahrheit haben Zentralbanken auch früher immer wieder Banken gerettet, manchmal sogar ganz verschwiegen. Wenn der Staat aber einspringt, sollte er die Bank ganz übernehmen, sie sanieren und später mit Gewinn verkaufen. Oder, wenn er zu der Erkenntnis kommt, dass ihr Geschäftsmodell nichts wert ist, sie geordnet abwickeln, ohne Rücksicht auf Aktionäre und andere private Investoren.

Und genau in diesem Punkt muss die Finanzbranche selbst mal mit Vorschlägen aus dem Busch kommen: Wie kann eine Bank sauber abgewickelt werden? Vielleicht sollte die Branche hierfür einen Fonds gründen. Oder der Staat sollte sie so lange mit einer Sondersteuer belegen, bis sie praktikable Vorschläge macht. Die Steuer würde dann, ganz marktwirtschaftlich, die Risikokosten des Steuerzahlers abdecken.

wiebe@handelsblatt.com

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