Wiebes Weitwinkel
Gefahr in Europa

Es gibt Probleme, bei denen fragt man sich nicht, ob sie vorhanden sind, sondern warum sie noch nicht deutlicher spürbar werden. Ein solches Problem ist die weltweite Blase auf den Immobilienmärkten. Bisher steht in der Diskussion der US-Markt im Vordergrund – vielleicht zu Unrecht. Denn zum Beispiel in London geht es viel toller zu als in New York.

Die Nachrichten aus England erinnern gefährlich an die große Bubble im Tokio der 80er-Jahre, als in den besten Vierteln schon ein Din-A-4-Blatt eine Fläche überdeckte, die rein rechnerisch ein kleines Vermögen darstellte.

Die Deutsche Bank warnt daher in einer neuen Studie davor, dass vor allem die europäischen Immobilienmärkte die weltweite Konjunktur bremsen könnten. Ihre Befürchtung: Weil in Europa die Unterschiede, etwa zwischen dem überdrehten Markt in Spanien und dem gerade erst richtig erwachenden in Deutschland, noch größer sind als in den USA, kann die Geldpolitik hier auf die Probleme kaum reagieren. Wenn eine regionale Immobilienblase platzt, fängt das also niemand auf, und somit kann eine Kettenreaktion ausgelöst werden. Weil Deutschland vom Export lebt, bekommen wir die Folgen auch zu spüren. Die groß gefeierte Abkoppelung der europäischen Konjunktur von der amerikanischen, so befürchten die Volkswirte der Deutschen Bank, könnte sich als trügerisch herausstellen.

Was heißt das für Anleger? Im Moment spüren wir in Deutschland vor allem die steigende Nachfrage von Immobilienkäufern, die zu Hause nichts mehr zu akzeptablen Preisen finden. In manchen Städten, zum Beispiel in Düsseldorf, tauchen Pensionsfonds und sogar Privatleute aus Dänemark oder Großbritannien auf und bieten für alles, was zum Verkauf steht. Früher oder später sollte das noch deutlicher auf die Preise durchschlagen – wenn die Blase in den anderen Ländern nicht vorher platzt.

Gute Nachrichten also für Immobilienanleger, die ans Verkaufen denken. Schlechte Nachrichten aber für Aktienanleger: Die möglichen Probleme am europäischen Immobilienmarkt dürften nicht in den Markterwartungen enthalten sein, weil bisher die Diskussion der US-Probleme im Vordergrund steht. Es läuft also darauf hinaus: Kasse machen – oder zumindest Frustrationstoleranz für Rückschläge aufbauen.

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