Wiebes Weitwinkel
Glückliche Versicherer

Ob AIG in New York, die französische Axa oder Allianz und Münchener Rück: Die Versicherer haben sich mit Angaben darüber, wie weit sie von der gegenwärtigen Finanzkrise betroffen sind, zurückgehalten. Können sie auch, denn grundsätzlich sind sie in einer viel besseren Situation als die Banken.

AIG in New York konnte die Analysten überzeugen, dass sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Die französische Axa hat Probleme mit einem Fonds - also außerhalb des eigentlichen Versicherungsgeschäfts. Die deutschen Versicherer Allianz und Münchener Rück spüren zwar Druck auf ihre Aktienkurse, aber scheinen akut wenig betroffen zu sein.

Grundsätzlich sind die Versicherer in einer viel besseren Situation als die Banken: Ihnen können die Kunden nicht so schnell weglaufen. Bei einer Lebensversicherung etwa fließt das Geld der Kunden stetig zu, der Ausstieg ist schwierig und teuer. Außerdem blickt ohnehin niemand durch, wie das Vermögen angelegt wird. Liquidität ist daher für Versicherer in der Regel kein Thema. Bei den Banken und vielen Geldmarktfonds steht dagegen genau das im Vordergrund: Der Abzug von Kundengeld zwingt zum Verkauf, aber für den Verkauf gibt es keinen Markt mehr. Deswegen gibt es selbst da Probleme, wo die Anlagen eigentlich in Ordnung sind.

Die Versicherer hingegen können ihre Papiere einfach behalten. Sie haben eher das Problem, Anlagen zu finden, die lange genug laufen. Es gibt ja traditionell sogar Wertpapiere, etwa lang laufende Schuldscheindarlehen, die von vornherein speziell für einen Versicherer konstruiert werden und gar nicht verkäuflich sein sollen.

Das heißt nun nicht, dass diese Branche von der Finanzkrise gar nicht betroffen wäre. Aber bei ihr werden nur die Papiere zum Problem, die tatsächlich ausfallen oder keine Erträge mehr bringen. Es wird sich erst mittelfristig und verrührt mit anderen Positionen in der Ertragsrechnung zeigen, wer hier daneben gegriffen hat.

Außerdem spüren die Versicherer, wenn insgesamt die Kapitalmärkte nicht mehr so gut laufen. In den USA gibt es zudem Rückschläge, weil dort traditionell die Anlagen in Unternehmensanleihen eine große Rolle spielen, deren Kurse von der Krise zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dafür wird die Neuanlage aber wieder einfacher, wenn die Zinsen gestiegen sind.

Am meisten Sorgen dürfte einigen Häusern, etwa der Münchener Rück, ihr eigener Aktienkurs machen. Je mehr er durch die Finanzkrise gedrückt wird, desto stärker lockt er dubiose oder unbequeme Investoren an.

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