Wiebes Weitwinkel
Hauptsache Unternehmer

Früher gab es diese Versuche, noch kurz vor dem befürchteten Ableben eines künftigen Erblassers das Depot abzuräumen und das Geld in einen geschlossenen Immobilienfonds zu stecken. Der Grund: Immobilien waren traditionell bei der Erbschaftsteuer begünstigt. Künftig lautet die Devise: Hauptsache, man ist Unternehmer.

Man kann sich leicht die Diskussion im Family Office einer Privatbank vorstellen. "Sie sollten ihr Unternehmen nicht verkaufen", sagt der hinzugezogene Steuerberater dem Patriarchen. "Denn für den Fall eines Falles, Sie wissen schon, steht sich ihr Sohn mit einer Firma sehr viel besser als mit einem Wertpapierdepot."

"Aber mein Sohn hat weder Interesse noch Talent, die Firma fortzuführen", wendet der Patriarch vielleicht ein. "Außerdem braucht das Unternehmen ohnehin jetzt einen neuen Investor, um die Zukunft zu sichern, unsere Familie kann das aus eigener Kraft nicht mehr stemmen."

"Für dieses Problem gibt es eine Lösung", schaltet sich der Vorstand der Privatbank ein. "Wir könnten mit unserem Mittelstandsfonds eine stille Beteiligung eingehen. De facto läuft das auf einen langfristigen Verkauf hinaus. Sie bekommen jetzt so viel vom Kaufpreis ausgezahlt, wie Sie benötigen, der Rest fließt erst, selbstverständlich verzinst, nach dem gewissen Stichtag. Und danach bleibt das Unternehmen auch 15 Jahre formal im Besitz ihres Sohns, der einen Manager einstellt, der im Innenverhältnis dem Mittelstandsfonds gegenüber verantwortlich ist."

Dem Patriarchen wird langsam schwindelig. Vor allem, als der Steuerberater ihm vorrechnet, dass er am besten auch noch den Teil der Privatvermögens, das nicht in der Schweiz liegt, in den Betrieb einbringt, weil das dann zum größten Teil pauschal als Betriebsvermögen gerechnet wird - auch wieder eine Ersparnis bei der Erbschaftsteuer. Und ganz vorsichtig deuten die Berater noch an: "Vielleicht sollten Sie gezielt den Personalstand abbauen und lieber etwas mehr Zeitarbeiter hereinnehmen. Damit erweitern Sie für später den Spielraum, die Belegschaft erbschaftsteuerunschädlich den Bedürfnissen anzupassen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%