Wiebes Weitwinkel
Ich bin altmodisch

Was – Sie lesen noch Zeitung? Wie altmodisch. Aber ich bin noch viel altmodischer: Ich schreibe sogar noch für eine Zeitung, meine Beiträge im Internet sind eher eine Nebenbeschäftigung. Doch welche Medien nutzen Finanzleute künftig?

Im Moment ist es mal wieder modern, die Zeitung totzusagen. „Who killed the newspaper?“, fragte der „Economist“ in seiner letzten Titelgeschichte. Wir hatten das schon häufiger: als das Radio erfunden wurde, als der Fernseher populär wurde und dann mit dem Aufkommen des Internets. Meist wird das politisch diskutiert – was wird aus der „vierten Gewalt“ im Staate, und so weiter. Ich frage mich dagegen: Welche Medien nutzen wir Finanzleute künftig?

Die Erfahrung zeigt, dass es eine große Spannbreite gibt. Wir bekommen sogar Anrufe von Lesern, die noch keinen Internetanschluss haben. Und Beschwerden von Leuten, deren Aktie aus dem Kursteil gestrichen wurde – deswegen bedrucken wir immer noch täglich viele Seiten kleinteilig mit Preisen von allen möglichen Wertpapieren.

Es gibt natürlich auch andere Leute, die sagen, dass Sie das Handelsblatt wunderbar finden – aber nur die Internet-Ausgabe lesen. Wenn ich meine Kinder anschaue, wird mir bange um meinen Arbeitsplatz: Die kennen sich wunderbar im Web aus und finden dort blitzartig jede Information, zeigen aber kaum Interesse für unsere häusliche Tageszeitung. Andererseits: Ich selber habe als Jugendlicher auch keine Zeitung gelesen.

Das Internet ist für uns Finanzleute eine viel größere Herausforderung als Radio und Fernseher zusammen. Schließlich geht es bei uns um Zahlen. Und die kann man wunderbar im Web abrufen, anders als im Videotext am Fernseher, wo sie viel zu schnell vorbeiflimmern. Deswegen holt die mediale Revolution uns jetzt erst so richtig ein.

Aber wie geht es weiter? Ziemlich klar ist nur, dass jede einfache Antwort hierauf falsch sein dürfte. Möglicherweise sieht unsere Zeitung in zehn Jahren ganz anders aus. „Was, die drucken die Zahlen der Deutschen Bank – über 24 Stunden, nachdem sie bekannt gegeben wurden“, heißt es dann vielleicht. Vielleicht gibt es aber auch in zehn Jahren noch viele gedruckte Tabellen – weil sogar Finanzleute nicht ständig in Bildschirme schauen wollen.

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