Wiebes Weitwinkel
Klangvolle Sparkassen

Manche Preisvergaben der Sparkassen werfen Fragen aus: Wer verleiht wem den Glanz, der Stifter dem Preisträger oder umgekehrt? Hat es überhaupt Sinn, Künstler zu fördern, die ohnehin schon den großen Sprung geschafft haben? Manchmal schon.

Die Sparkassen tun etwas für die Kultur, das gehört zu ihrem Selbstverständnis. So bekam in der vergangenen Woche der Pianist Lars Vogt den Großen Kulturpreis der Rheinischen Sparkassen. Vogt, so heißt es, arbeite eng mit dem Dirigenten Sir Simon Rattle zusammen. Außerdem habe er gute Verbindungen zu den Berliner Philharmonikern.

Dieser Preis wirft Fragen auf. Simon Rattle ist nicht gerade unbekannt – fast jeder, der sich auch nur am Rande für klassische Musik interessiert, hat den Namen schon gehört. Und die Berliner sind vielleicht immer noch das berühmteste Orchester der Welt. Wozu, fragt man sich daher, braucht ein Pianist mit solchen Verbindungen die Rheinischen Sparkassen?

Diese Frage kann man sich immer wieder stellen, wenn Kulturpreise verteilt werden: Wer verleiht wem den Glanz, der Stifter dem Preisträger oder umgekehrt? Hat es überhaupt Sinn, Künstler zu fördern, die ohnehin schon den großen Sprung geschafft haben? Manchmal schon. Ein Nobelpreis ehrt auch noch berühmte Autoren. Aber ein Sparkassenpreis ist eben kein Nobelpreis. Trotzdem gibt es sehr sinnvolle Förderprojekte, auch in Verbindung mit berühmten Namen, wenn zum Beispiel die Heimatstadt eines Künstlers für ihn ein Museum bauen willen, das sie allein nicht finanzieren könnte. Aber so ein Fall liegt bei Lars Vogt offenbar nicht vor.

Eine weitere Frage: Warum verleihen die Sparkassen insgesamt einen Preis, wenn die einzelnen Institute ohnehin schon in Sachen Kultur engagiert sind? Geht es tatsächlich um die Förderung oder eher darum, das Profil der Gruppe als Kulturförderer deutlich zu machen? Ähnliche Fragen lassen sich häufig stellen, wenn Unternehmen die Kultur oder andere gute Zwecke unterstützen. Es geht nicht darum, dieses Engagement schlecht zu reden – wir können froh sein, wenn noch Geld in die Kultur fließt.

Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen Sparkassen und anderen Unternehmen: Bei den öffentlich-rechtlichen Instituten sind wir alle quasi Eigentümer. Und die Sparkassen rechtfertigen ihren öffentlich-rechtlichen Status ja unter anderem mit ihren zahlreichen Förderaktivitäten. Da ist es wohl angebracht, den Sinn und Zweck dieser Förderung besonders genau zu hinterfragen.

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