Wiebes Weitwinkel
Logik für Anleger

Wenn A oder B richtig ist und sich herausstellt, dass A falsch ist, dann muss B richtig sein. Diese klassische Logik führt auf den klassischen Märkten leider nicht immer zum Erfolg, denn oftmals funktionieren beide Strategien nicht.

Anleger hören häufig Argumente nach folgendem Strickmuster: „Mit der Strategie A wird es schwierig im kommenden Jahr. Deswegen sollte man auf Strategie B setzen.“ Zum Beispiel: „Traditionelle Anlagen versprechen nicht mehr viel. Deswegen sollte man auf alternative Investments setzen.“ Oder: „Aktien sind zu teuer, um sie zu kaufen und lange liegen zu lassen. Daher sollte man kurzfristiger ein- und aussteigen“. Oder vielleicht so: „Die großen Indizes werden nicht mehr weit steigen. Daher empfiehlt es sich, mehr auf einzelne Titel zu setzen.“

Das klingt schlüssig. Die Argumentation entstammt tatsächlich der klassischen Logik: Wenn A oder B richtig ist und sich herausstellt, dass A falsch ist, dann muss B richtig sein.

Das Problem ist nur: Aus falschen Prämissen kann man ganz logisch auch falsche Schlüsse ziehen. Und leider ist es auf den Märkten nicht so, dass entweder die eine oder die andere Strategie zum Erfolg führt. Es gibt noch eine dritte Variante: dass beide nicht funktionieren.

Möglicherweise bringen im kommenden Jahr weder klassische noch alternative Anlagen viel ein. Dafür spricht einiges: Beide Bereiche werden von Geld überschwemmt, daher sind die Einstiegspreise schon zu hoch. Wenn die Börse nicht mehr in der Breite steigt, bringt vielleicht ein hektisches Ein- und Aussteigen oder aufwendiges „Stockpicking“ auch nichts – außer Spesen für die Bank. Es gibt also nicht nur die Alternative A oder B, sondern auch noch ein C: dass beides nicht funktioniert.

Dieses Argumentationsmuster, bei dem ein möglicher Misserfolg von vornherein ausgeklammert wird, ist auch in der Politik weit verbreitet. Zum Beispiel: Wir können unsere politischen Ziele nur mit Diplomatie oder einem Militäreinsatz erreichen. Die Diplomatie hat versagt, also führen wir Krieg. Die Variante C, dass der Krieg auch zu nichts führt außer Blutvergießen, wird ausgeklammert. Oder Topmanager argumentieren: Wir können die Rendite nur durch höhere Preise oder den Abbau von Stellen verbessern. Aber vielleicht gibt noch eine weitere Möglichkeit, die Rendite zu verbessern – etwa den Vorstand zu feuern, weil er keine Ideen hat. Man könnte ein dickes Buch mit Beispielen füllen. Falsche Schlüsse können teuer werden – und Anleger spüren das besonders schnell.

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