Wiebes Weitwinkel
Münchener Allerlei

Die Gerüchteküche brodelt heftig in München: Um den Versicherungskonzern Allianz rankten sich Spekulationen um eine mögliche Fusion. Ein konkreter Partner war dabei noch nicht im Gespräch. Doch welche Potentiale stecken überhaupt in dem Branchenriesen?

Die Allianz in München ist nicht dafür bekannt, strategische Optionen in der Öffentlichkeit zu prüfen. Was ist also dran an den Gerüchten über eine mögliche Fusion, vielleicht sogar mit einer Bank, die Anfang der Woche hochkochten?

Vielleicht hat sich jemand verplaudert in München. Vielleicht wollte das Management auch testen, was für Reaktionen Fusionsgerüchte hervorrufen. Oder ein paar Jungs haben gedacht, wir treiben mal die Aktie vor uns her und setzen ein Gerücht in die Welt. Eines ist jedenfalls klar: Die Fusionitis macht alle nervös.

Aber wie realistisch sind Gedankenspiele zu einer Allianz-Fusion? Festzuhalten bleibt erst einmal: Die Allianz hat eine mehr als ordentliche Börsenkapitalisierung. Außerdem grassiert bei den Versicherern das Übernahmefieber bisher weniger als bei den Banken. Bevor die Münchener sich zu große Sorgen wegen einer Übernahme machen, sollte eher Frankfurt in tiefe Depressionen verfallen.

Zweitens: Die Integration der Dresdner Bank kann man auch mit sehr viel gutem Willen nicht als Erfolgsstory bezeichnen. Was sollte die Allianz also reiten, ausgerechnet den Zusammenschluss mit einer Bank zu suchen? Sinnvoller wäre dann schon, die Dresdner Bank zu verkaufen und den Erlös für neue Akquisitionen in der eigenen Branche einzusetzen.

Richtig ist aber auch drittens: Eine Zerschlagung des Allianz-Konzerns würde theoretisch Potenzial freisetzen. Die Dresdner Bank ist, wie gesagt, in dem Konzern nicht optimal untergebracht. Außerdem gibt es schmucke Auslandstöchter wie die AGF in Paris oder den US-Vermögensverwalter Pimco.

Andererseits: Pimco-Chef Bill Gross hat gerade keinen guten Lauf, weil die US-Zinsen anders liefen als er vermutete. Und als großer Versicherungskonzern ist die Allianz unglaublich stark – diese Kraft würde bei einer Zerlegung verloren gehen.

Fazit: So richtig überzeugend wäre eine ganz große Fusion nicht – und schon gar nicht mit einer Bank. Maximal wäre wohl die Übernahme eines starken Konkurrenten sinnvoll, wie zum Beispiel der Zurich, die in der Schweiz, in Deutschland und vor allem in den USA gut vertreten ist und international eine starke Position in der Industrieversicherung hat.

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