Wiebes Weitwinkel
Nur ein mattes Grün

Eigentlich müsste Deutschland ein Paradies für grüne Fonds und Vermögensverwalter sein. Schließlich sind wir führend auf vielen Märkten der Umwelttechnik. Außerdem gibt es schon lange eine grüne Partei, die sogar Jahre lang in Berlin mitregiert hat. In puncto Geldanlage sind wir aber weit von einem grünen Paradies entfernt.

Das Thema „Nachhaltigkeit“, das ja neben Ökologie auch soziale und finanzielle Aspekte umfasst, hat in angelsächsischen Ländern, aber auch in der Schweiz, eine viel größere Bedeutung als bei uns: für die Anleger, für Konzerne, sogar für den Arbeitsmarkt der Finanzbranche. Warum ist das so?

Es gibt einen einfachen Grund: In anderen Ländern spielen Pensionsfonds eine wichtigere Rolle als bei uns. Und diese Großanleger sind politischen Zielen gegenüber aufgeschlossener als reine Dienstleister wie Banken und Versicherer, die mit Renditen beim Kunden punkten müssen.

Vielleicht spielen aber auch tiefer liegende Gründe mit. Deutsche erhoffen sich traditionell die Lösung aller Probleme vom Staat, nicht von der privaten Wirtschaft. Außerdem neigen wir zu Purismus. Wieso kann ein Unternehmen wie BMW, das massenweise Autos mit überdimensionierten Motoren verkauft, mit Ökologie in Verbindung gebracht werden? Es kann. Man muss nur auf die Details schauen und sich davon lösen, die Welt ganz neu erfinden zu wollen: Beim Thema „Nachhaltigkeit“ geht es eher um relative Unterschiede innerhalb einer Branche als darum, ganze Branchen auszusortieren.

Der größte Kritikpunkt gegenüber nachhaltigen Fonds ist, dass sie den Markt auf den ersten Blick nicht wirklich verändern. Wer von diesen Fonds kein Geld bekommt, kann sich aus anderen Quellen am Kapitalmarkt eindecken. Aber diese Sichtweise ist zu eng: Die Fonds zwingen Konzernmanager, über Fragen der Nachhaltigkeit zu diskutieren. Sie stärken damit auch innerhalb der Unternehmen diejenigen, die für diese Fragen sensibel sind. Viel mehr kann man auf keinem Weg erreichen.

Ein letzter Punkt spielt in Deutschland sicher auch eine Rolle: Wir neigen bei bestimmten Themen dazu, sie als „weich“ zu definieren und damit nicht ernst genug zu nehmen. Manchmal rächt sich das – wie das Beispiel Bildung zeigt.

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