Wiebes Weitwinkel
Out of Düsseldorf

Die Zeit, als noch Vorstände der Deutschen Bank auf der Düsseldorfer Königsallee residierten und die Chefs der WestLB noch zu den Mächtigen der Republik gehörten, ist lange vorbei. Ist es bald Zeit, auszuwandern aus Düsseldorf?

Der WDR rief mich letzte Woche an und fragte, ob der rheinische Finanzplatz jetzt den Bach runtergehe: IKB angeschlagen, WestLB angeschlagen, und die Börse Düsseldorf wird von den bösen Frankfurtern auch noch vom elektronischen Handelssystem Xetra abgeknipst. Einen Moment habe ich schon geschluckt. Und dann mit vor Lokalpatriotismus geschwellter Brust geantwortet: "Nein, der Finanzplatz hier geht nicht kaputt. Er verändert sich aber."

Und so ist es. Frankfurt hat mal geglaubt, es könne mit London konkurrieren. Und Düsseldorf hat vor noch längerer Zeit geglaubt, es könne mit Frankfurt konkurrieren. Beides war Blödsinn. Die Stärke des deutschen Finanzplatzes ist wahrscheinlich, (ähnlich wie in der Politik) dass er sich auf viele Städte verteilt.

Die Zeit, als noch Vorstände der Deutschen Bank auf der Düsseldorfer Königsallee residierten und die Chefs der WestLB noch zu den Mächtigen der Republik gehörten, ist lange vorbei. Aber ist das entscheidend?

Es muss nicht immer die Konzernzentrale sein. Am Rhein breitet sich Ergo aus, die Tochtergesellschaft der Münchener Rück, zu der bekannte Marken wie Victoria und Hamburg-Mannheimer gehören. Außerdem: Rund um die Königsallee werden Milliarden an Privatvermögen verwaltet - Tendenz steigend. Privatbanken wie Julius Bär oder Delbrück Bethmann Maffei eröffnen hier neue Büros. Ein Beispiel für den Wandel bietet auch HSBC Trinkaus: Dieses Haus definiert sich immer weniger als mittlere Privatbank, dafür mehr und mehr als Ableger von HSBC, Europas größter Bank; auch keine schlechte Rolle.

Düsseldorf ist zudem ein Nest von Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern bis hin zu Werbe- und PR-Leuten. Und viele davon sind auf Finanzthemen spezialisiert. Kurz gesagt: Hier regiert die Finanzbranche nicht mehr, aber es wird noch sehr viel Geld mir ihr verdient.

Jede Stadt hat ihre eigene Art, modern zu werden. Beispiel "Graf-Adolf-Platz" in Düsseldorf. Früher wurde der Witz von der alten Frau erzählt, die das Straßenschild sieht und murmelt: "Ist ja anständig, dass sie ihn noch zum Grafen gemacht haben." Heute nennt sich die "location", von einem Hochhaus voller Wirtschaftsprüfer überragt, abgekürzt GAP (sprich "gäpp"). Die alte Würstchenbude ist aber noch da.

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