Wiebes Weitwinkel
Risikoarmes Kreditgeschäft

Wenn eine Bank Kredite vergibt, dann geht das am einfachsten, wenn Sicherheiten da sind. Ersatzweise tut es auch der Nachweis eines guten, regelmäßig fließenden Gehaltes. Der klassische Freiberufler – etwa ein Arzt oder Anwalt – hat häufig weder das eine noch das andere. Und doch haben Selbständige immer noch eine deutlich bessere Bonität haben als Otto Normalverbraucher.

Wenn er seinen Geschäftsbetrieb aufbaut, ist noch nicht viel Vermögen da, das als Sicherheit dienen könnte. Und ein regelmäßig fließendes Gehalt gibt es auch nicht. Hinzu kommt: Eine Lizenz zum Gelddrucken sind freie Berufe schon lange nicht mehr. Viele Ärzte verschulden sich bis zum Hals, um eine wunderschöne Praxis einzurichten. Manche Anwälte bezahlen die stolze Selbstständigkeit auch über lange Jahre mit einem frugalen Lebensstandard.

Und doch: Die Statistik der Schufa zeigt, dass Freiberufler immer noch eine deutlich bessere Bonität haben als Otto Normalverbraucher. Während viele Gewerbetreibende wie Handwerker etwa gleichauf mit dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein klassischer Freiberufler seinen Kredit nicht zurückzahlt, sehr viel geringer.

Das unterstreicht, wie interessant diese Berufsgruppe für die Banken ist. Natürlich nicht nur im Kreditgeschäft – wo es neben der Praxis möglicherweise auch noch ein Haus zu finanzieren gibt. Dazu kommt der Vermögensaufbau. Schließlich bezieht der Freiberufler keine Rente vom Staat, sondern muss selbst vorsorgen. Haben die Banken diese Chance schon erkannt?

Im „Private Banking“ stürzen sich seit ein paar Jahren fast alle Banken ganz allgemein auf den „gehobenen Privatkunden“. Als würdig werden oft die Kunden angesehen, die schon eine Menge freies Vermögen besitzen – und nicht die, die gute Chancen haben, es aufzubauen. Im „Retail Banking“ greift wie eine Seuche der schnelle Verkauf von Konsumkrediten um sich.

Ein wirkliches Zielgruppen-Marketing dürfte auf Dauer die bessere Strategie sein, die freien Berufe könnten dabei eine interessante Zielgruppe sein. Aber davon sind die meisten Banken noch weit entfernt. Mit einer Ausnahme: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Sie macht nicht viel von sich reden – aber richtet das Geschäft ganz konsequent auf ihre Kundengruppe aus und verdient damit jede Menge Geld.

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