Wiebes Weitwinkel: Spiel mit dem Risiko

Wiebes Weitwinkel
Spiel mit dem Risiko

Wenn es Scor-Chef Denis Kessler tatsächlich schafft, sich den Schweizer Konkurrenten Converium einzuverleiben, dann ist das ein Spiel mit dem Risiko. Genauer gesagt: mit dem versteckten Risiko. Denn die Versicherungsbranche hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem alten Spiel „Stratego“. Da stellt jeder seine Steine so auf, dass der andere nicht sehen kann, was drauf steht.

Bei Versicherern ist das ganz ähnlich: Man weiß nie so genau, was in den Büchern steckt. Noch nach vielen Jahren kann es böse Überraschungen geben.

Scor und Converium haben auf der anderen Seite viel gemeinsam. Beide sind Rückversicherer, nehmen also den „normalen“ Versicherern sehr große Risiken ab. Beide sind aber etwas kleinere Anbieter, was ihnen das Leben schwer macht. Denn kleinere Gesellschaften verheben sich schnell, wenn sie große Risiken schultern. Auf den ersten Blick klingt es daher plausibel, wenn sich zwei kleinere Rückversicherer zu einem größeren zusammenschließen. Nur: Kommt es zur Fusion, würde daraus nur ein „größerer“, aber kein wirklich großer Anbieter, wie es die Münchener Rück und die Schweizer Rück sind. Letztlich stellt sich die Frage, was ein Anbieter dieses Zuschnitts zu bieten hat. Da gibt es mehrere mögliche Ansatzpunkte.

Zum einen wollen manche Versicherer einfach mit mehreren Rückversicherern zusammenarbeiten. Da schwimmen die kleineren Anbieter einfach mit im Markt. Converium hat so in Deutschland lange Zeit Geschäft gemacht. Aber ob aus dieser Position heraus gute Preise zu erzielen sind? Zweitens gibt es die „opportunistische“ Strategie: wenn die Märkte gut laufen, schnell hineinspringen und rechtzeitig wieder herausgehen. Das können kleinere oder mittlere Anbieter sogar besser als die ganz großen. In Deutschland hat die Hannover Rück in dieser Disziplin eine gewisse Virtuosität entwickelt. Noch krasser betreiben das Spiel einige Anbieter von den Bermudas. Aber ob der Markt noch einen Spieler dieser Art braucht?

Es gibt noch einen dritten Ansatz: die Spezialisierung auf Nischen oder auf Regionen. Hier hat Converium die Nischen – etwa Luftfahrt – und Scor die Region, nämlich Frankreich. Aber passt das zusammen? Kessler muss den Kapitalmärkten noch viel erklären, wenn er sein Vorhaben durchzieht.

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