Wiebes Weitwinkel
Spielend Geld verdienen

Spielen – das Thema beherrscht die Schlagzeilen. Das Online-Spiel „Second Life“ hat angeblich einige virtuelle Unternehmer reich gemacht; außerdem haben seine Casinos das FBI auf den Plan gerufen. Ist das alles ein Modetrend, der sich irgendwann wieder erledigt? Oder erfindet sich der Mensch neu? Es spricht viel für die zweite Theorie.

Neulich saß ich neben einer jungen Frau im Zug, die sich beklagte, dass ihr Freund jeden Sonntag ab Mittag kein Auge mehr für sie hat: Dann taucht er ab in die Welt eines Internetspiels. Das scheint spannender zu sein als die Freundin.

Spielen – das Thema beherrscht auch die Schlagzeilen. Das Online-Spiel „Second Life“ hat angeblich einige virtuelle Unternehmer reich gemacht; außerdem haben seine Casinos das FBI auf den Plan gerufen. Ist das alles ein Modetrend, der sich irgendwann wieder erledigt? Oder erfindet sich der Mensch neu? Entwickelt er sich zum Homo Ludens, dem spielenden Menschen?

Es spricht viel für die zweite Theorie. Und wenn das stimmt, dann sind Spiele ein Trend, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Vielleicht der nächste Megatrend, den die Börse entdeckt – nach Techno, Bio, Nano, Öko.

Haben Sie zufällig Kinder im Teenager-Alter? Dann schauen Sie mal, womit die ihre Zeit vor dem Computer verbringen. Wie langweilig sie Lehrer und Bücher finden, und wie beharrlich sie sich bei Computerspielen von einem „Level“ auf den nächsten Schwierigkeitsgrad hocharbeiten. In ein paar Jahren sind elektronische Spiele wahrscheinlich ein etabliertes Medium wie Bücher oder Filme – mit eigener Ästhetik, professionellen Autoren und Rechercheuren; mit einem breiten, auf viele Zielgruppen zugeschnittenen Angebot, von absolutem Ramsch bis hin zu Angeboten mit echtem intellektuellen Anspruch. Da wir eine lernende Gesellschaft sind, werden wir immer mehr auch zu Spielern – um spielend zu lernen. Deutsche Schulen sind in diesem Punkt Nachzügler. Deswegen sitzen die Schüler dann zu Hause vor dem Bildschirm.

Spielekonsolen spielen für Firmen wie Nintendo oder sogar Microsoft heute schon eine wichtige Rolle. Die Wall Street kennt einzelne Spieleaktien – am bekanntesten ist wohl die von Electronic Arts. Es spricht viel dafür, dass in diesem Bereich noch ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Die Einnahmequellen sind vielfältig: Es lässt sich unter anderem viel Werbung unterbringen – warum wohl fahren in Rennspielen so viele japanische Boliden über den Bildschirm?

Vielleicht gibt es irgendwann ein Rollenspiel im Internet: Wie bringe ich meinen Freund dazu, sich wieder für mich statt für den Computer zu interessieren ...

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