WIEBES WEITWINKEL
USA – too big to fail

Wundern Sie sich auch manchmal, dass ein Land, das auf weiten Strecken pleite ist, nach wie vor international den Ton angibt? Und zwar nicht nur außenpolitisch, sondern gerade auch in Finanzfragen?

Das Rätsel ist leicht zu lösen. Die USA sind im wahrsten Sinne des Wortes "too big to fail". Ähnlich wie manche großen Banken, die de facto den Staat zu Hilfsmaßnahmen erpressen können, indem sie mit ihrem eigenen Zusammenbruch drohen, können die USA die ganze Welt unter Druck setzen. Denn jeder weiß: Wenn die amerikanische Wirtschaft kollabiert, dann zieht sie alles mit. Dann sind chinesische Devisenreserven genauso wenig wert wie deutsche Exportstärke.

Gerade rechtzeitig haben die Amerikaner einen Präsidenten gewählt, der an der Misere unschuldig ist und unangenehme Botschaften genial verpacken kann. So werden die Amerikaner, allen Reden über das Scheitern des angelsächsischen Kapitalismus zum Trotz, am Ende doch ihre Interessen wahren.

Was können die Europäer tun? Nicht viel. Außer vielleicht, nicht allzu naiv Scheinerfolge zu feiern, wo es besser wäre, wie ein Luchs auf die eigenen Interessen zu achten. Beispiel Internationaler Währungsfonds: Diese Institution wird von einem Franzosen geleitet, aber sitzt in Washington und steht nach wie vor stark unter amerikanischem Einfluss. Nun haben Merkel & Co auf dem Londoner Gipfel "mit Erfolg" die Verpflichtung zu weiteren nationalen Konjunkturpaketen, wo sie selbst die Hoheit hätten, verhindert. Und dafür gestimmt, den IWF zur Geldmaschine auszubauen - wo die Amerikaner das Sagen haben.

Beispiel Ratingagenturen: Obwohl diese Unternehmen ihre Unfähigkeit nachdrücklich bewiesen haben, ist ihr Einfluss ungebrochen. Auch in Europa: Wenn Standard & Poor findet, dass irgendein Staat am Mittelmeer keinen Kredit mehr verdient, dann wird er Mühe haben, noch einen zu bekommen. Nun haben die Europäer "mit Erfolg" durchgesetzt, dass die Ratingagenturen künftig beaufsichtigt werden. Aber von wem? Die großen Agenturen sitzen in den USA. Ähnlich sieht es bei den Hedge-Fonds aus: Welche davon soll denn zum Beispiel die deutsche Finanzaufsicht überwachen?

Diese Liste ließe sich verlängern - und sie wird in den nächsten Jahren sicherlich noch weiter wachsen.

wiebe@handelsblatt.com

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