WIEBES WEITWINKEL
...Vater sein dagegen sehr

So eine Bankenfusion einzufädeln ist eine ganz leichte Sache. Verglichen jedenfalls mit der Herausforderung, die Fusion dann auch zum Erfolg zu führen. Martin Blessing, der smarte Chef der künftigen Commerz-Dresdner-Bank, geht es daher so wie in dem bekannten Spruch: "Vater werden ist nicht schwer ...

Die größte Gefahr bei einer Fusion ist meist, sich allein auf Zahlen, Funktionen und Strukturen zu konzentrieren und dabei die Mitarbeiter zu vergessen. Nach dem Motto: Um die kümmern wir uns später, wenn wir wieder einigermaßen den Überblick haben. Aber dann ist es möglicherweise zu spät.

In den letzten Jahren, als die Dresdner Bank unter Führung der Allianz vor sich hin schlingerte, war es leicht für die Konkurrenz, Leute von ihr abzuwerben. Wenn man sie fragte, wie denn die Stimmung sei, kam als die Antwort meist die dringende Bitte: "Können wir nicht über was Erfreulicheres reden?" Die entscheidende Frage für Blessing lautet, ob er diesen Frust abbauen kann - oder ob er womöglich noch wächst.

Entscheidend wird sein, dass im neuen Konzern möglichst schnell ein Wir-Gefühl entsteht. Die Axa-Versicherung, die große Erfahrung mit Fusionen hat, setzt dabei auf gemeinsame Segeltörns der Manager mit dem Big Boss und ähnliche Späße. Man kann das albern finden, aber bei den Franzosen scheint es meist funktioniert zu haben. Wichtig ist auch, dass Blessing in der Breite gegen die Commerzbank-Leute genauso hart ist wie gegen die der Dresdner Bank: So gut es ist, dass bei der Fusion auf der obersten Ebene die Machtverhältnisse (zu Gunsten der Commerzbank) geklärt sind, so entscheidend ist, dass dieses Gefälle auf den Ebenen darunter vom ersten Tag an eingeebnet wird. Denn wie sollen Leute, die sich als Verlierer fühlen, motiviert arbeiten?

Der dritte Punkt: Blessing muss ein paar ganz einfache Botschaften für den neuen Gesamtkonzern formulieren - so überschaubar, dass jeder sie sich merken kann. Und mit diesen Botschaften muss er durch sein neues Reich tingeln, sie immer und immer wieder unters Volks bringen und geduldig erläutern - wo es geht, in der persönlichen Ansprache. Auch damit hat die Axa gute Erfahrungen gemacht.

Der vierte Punkt ist der schwierigste: Blessing braucht eine Vision für die neue Bank, die seine Botschaften auf den Punkt bringt. Die Nummer zwei in Deutschland zu sein kann nicht ausreichen. Hier muss er kreativ werden.

wiebe@handelsblatt.com

blog.handelsblatt.de/weitwinkel

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%