WIEBES WEITWINKEL
Von der Staatsbank wieder zur Staatsbank

Der Staatsfinanzierer Depfa, der die Muttergesellschaft Hypo Real Estate (HRE) gerade fast in die Pleite gerissen hat, wurde im Jahr 1922 als "Preußische Landespfandbriefanstalt" gegründet - also als staatliche Bank. Anschließend hat das Institut zwei Währungsreformen, einen Krieg und die Besatzungszeit irgendwie überstanden, ohne allzu groß von sich reden zu machen.

Im Jahr 1991 wurde die Depfa, wie sie inzwischen hieß, privatisiert. "Die Privatisierung der Depfa gilt als eine der erfolgreichsten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland", steht bis heute auf der Homepage der Bank. Eine mehr als kühne Behauptung.

Die Depfa konzentrierte sich dann auf die Staatsfinanzierung. Sie stieß ihr Immobiliengeschäft ab, weil die beiden Bereiche angeblich nicht zusammenpassten; es firmiert unter "Aareal Bank" und macht wenig von sich reden, was heute ja schon eine gute Nachricht ist. Die Depfa wurde eine "Erfolgsstory" wegen ihrer klaren Fokussierung, viel gelobt von Analysten - ja, und leider auch von Journalisten. Im Jahr 2007 wurde die Depfa dann von der HRE übernommen - weil Staats- und Immobilienfinanzierung angeblich doch zusammenpassen.

Demnächst wird die HRE wahrscheinlich verstaatlicht und möglicherweise auf eine reine Pfandbriefbank zurückgestutzt. Somit wäre die Depfa dann nach rund 17 Jahren als Privatbank und 86 Jahre nach ihrer Gründung wieder genau da, wo sie hergekommen ist: beim Staat.

Wäre sie immer im Staatsbesitz geblieben, dann wäre das Problem, mit dem sie sich und die HRE fast in die Pleite gerissen hätte, wahrscheinlich gar nicht aufgetaucht. Sie hätte jedenfalls mit der staatlichen Bonität sehr viel einfacher ihre Staatskredite refinanzieren können - so, wie es künftig eine staatliche HRE auch wieder tun wird. Ohne den Staat im Rücken riss dagegen im Laufe der Krise der Geldstrom ab, und es rächte sich, dass die Bank ihre Kredite extrem kurzfristig refinanziert hatte, um Rendite zu steigern.

So gesehen, ist die Depfa der größte Privatisierungsmisserfolg der deutschen Geschichte. Freilich konnte 1991 noch niemand die heutige Finanzkrise voraussehen. Trotzdem mahnt das Beispiel, bei Privatisierungen sehr genau auf die praktischen Details zu achten - sonst kann es verdammt teuer werden.

wiebe@handelsblatt.com

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