Wiebes Weitwinkel
Von EADS zur Euronext

Was haben EADS und Euronext gemeinsam? Bisher nicht viel. Aber wenn die Fusion zwischen Deutscher Börse und der Vierländerbörse Euronext doch noch gelänge, gäbe es schon Parallelen. Und die verheißen nichts Gutes.

Der Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS gibt das Beispiel einer deutsch-französischen Firmenehe. Und sie verlief wie viele richtige Ehen auch: anfangs erstaunlich gut. Aber dann zeigt sich, dass die Gegensätze doch zu groß sind. Die Spannungen wachsen, die Partner blockieren sich gegenseitig, irgendwann steht das Wort „Scheidung“ im Raum.

Wie sagte Sartre so treffend: „Die Hölle, das sind die anderen.“ So kann es bei einer Firmenfusion sehr schnell laufen, wenn zu viele unterschiedliche Interessen im Spiel sind, wenn sich zu viele Politiker einmischen und vor allem, wenn Machtfragen nicht eindeutig geklärt sind.

Fragen wir mal ganz ketzerisch: Würde eine Fusion zwischen Deutscher Börse und Euronext nicht über kurz oder lang genau diese Probleme hervorbringen? Die Finanzplätze Frankfurt und Paris (der Sitz der Euronext) werden niemals bereit sein, sich gegenseitig etwas zu schenken oder sich unterzuordnen. Die Fusion der beiden Börsenbetreiber wäre daher nur als „gleichberechtigte“ Lösung möglich – also ohne klare Machtstruktur. Dass Politiker aus Deutschland und Frankreich gerne zum vermeintlichen Wohl ihrer Finanzplätze intervenieren, hat sich bereits gezeigt. Dazu kommt, dass die Euronext noch in weiteren Ländern Börsen betreibt – das macht die Sache zusätzlich kompliziert. Bei einer Fusion der Euronext mit der New Yorker Börse, die ja die wahrscheinlichste Variante ist, dürfte zumindest die Machtfrage leichter zu klären sein: Paris kann sich eher New York als Frankfurt unterordnen.

Auffällig ist in den letzten Wochen auch, dass sich die Sicht der Dinge in Frankfurt und Paris immer stärker auseinander entwickelt. Während in Frankfurt der Eindruck vorherrscht, die Deutsche Börse habe schon zu viele Zugeständnisse für eine mögliche Fusion gemacht, ist in Paris immer noch Achselzucken angesagt. Ganz unabhängig davon, welche Seite Recht hat: Die Gefahr, dass nach einer Fusion ebenso unterschiedliche Sichtweisen fortdauern würden, ist nicht von der Hand zu weisen. Daher ist es nur richtig, wenn sich die Frankfurter Gedanken über Alternativen machen.

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