Wiebes Weitwinkel: Wann kommt die S-Bank?

Wiebes Weitwinkel
Wann kommt die S-Bank?

Stellen wir uns einmal vor, es würde eintreffen, was die Sparkassenverbände unbedingt verhindern und die privaten Institute am liebsten erreichen würde: Die EU-Kommission in Brüssel verdammt die gesamte Sparkassenorganisation als Kartell und verbietet sie damit in ihrer heutigen Form. Was wäre die Folge?

Können Sie den ewigen Streit über die Sparkassen auch nicht mehr hören? Immer wieder dieselben Argumente: Die Sparkassen-Puristen tun so, als gehe am nächsten Tag die Welt unter, wenn auch nur ein Pünktchen der bestehenden Regeln gestrichen wird. Und die privaten Banken tun so, als sei an ihren eigenen Problemen nur die berühmte Drei-Säulen-Struktur der deutschen Kreditbranche mit ihrer Einteilung in privat, öffentlich-rechtlich und genossenschaftlich schuld.

Stellen wir uns einmal vor, es würde genau das passieren, was die Sparkassenverbände unbedingt verhindern und die privaten Institute am liebsten erreichen würde. Denken wir uns den Fall, die EU-Kommission in Brüssel würde die gesamte Sparkassenorganisation als Kartell verdammen und damit in ihrer heutigen Form de facto verbieten. Einen Vorstoß in diese Richtung hat Brüssel neulich wieder angedeutet, wenn auch eher zaghaft.

Was wäre die Folge? Würde das Sparkassenlager aufbrechen? Würden ausländische oder inländische Banken sich die besten der kommunalen Institute schnappen? Würde der Wettbewerb intensiver, wie Brüssel anmahnt? Würden die regionalen Märkte für die Großbanken besser zugänglich, wie die privaten Konzerne hoffen?

Vielleicht. Logischer wäre aber eine andere Entwicklung: Wenn die Sparkassen ihre starke Marktposition und ihre Marke nicht verschenken wollen, müssen sie sich zusammenschließen zu einer großen Bank – einschließlich der Landesbanken. Ein harter Vorstoß aus Brüssel könnte so vielleicht das Gerede der Landesfürsten und Verbandsideologen wegpusten und die Sparkassen tatsächlich einen Schritt weiterbringen: vom Verbund zu einem schlagkräftigen Konzern, der an die Börse geht und sich damit eine breite Kapitalbasis sichert.

Nennen wir dieses neue Unternehmen die S-Bank. Sie könnte auf dem Heimatmarkt die anderen Finanzkonzerne in die Ecke drängen. Sie hätte die starke Basis, die heute sogar der Deutschen Bank fehlt, und dürfte damit auch international auftrumpfen.

Fazit: Wenn das passiert, was die Sparkassen fürchten und die privaten Banken wollen, sind am Ende die Sparkassen die Gewinner und die privaten Konkurrenten die Verlierer.

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