Wiebes Weitwinkel
Was der Arzt sagt

Gerade rief mich eine alte Bekannte an, von der ich seit Monaten nichts mehr gehört hatte. „Sag mal Frank, kann das sein, dass jetzt alles zusammenbricht?“, fragte sie mich. Ihr Arzt habe sie alarmiert. Aber ich habe sie beruhigt.

Gerade rief mich eine alte Bekannte an, von der ich seit Monaten nichts mehr gehört hatte. "Sag mal Frank, kann das sein, dass jetzt alles zusammenbricht?", fragte sie mich. Ihr Arzt habe sie alarmiert. "Der hat eine Menge prominenter Patienten, auch so Finanzberater. Und einer von denen hat gemeint, dass demnächst die Deutsche Bank pleite geht. Und dann hat er noch gemeint, dass es in drei Jahren keinen Dollar und keinen Euro mehr gibt, und dass die USA dann ein Schwellenland sind."

Was sagt man dazu? Ich habe sie beruhigt. Aber ihr auch gesagt, dass bei Finanzkrisen niemand weiß, was passiert. Der Anruf ist aber ein wichtiges Indiz: Die Panik erreicht allmählich die breite Bevölkerung. Eigentlich erstaunlich, dass die Börse da noch so stabil ist. Vielleicht liegt es daran, dass Privatanleger für die deutsche Börse gar nicht so eine große Rolle spielen. Aber man kann natürlich dieses Panikmoment, ganz vorsichtig, als ein Anzeichen dafür nehmen, dass der untere Wendepunkt der Krise nicht mehr allzu fern ist.

Mir fiel jedenfalls sofort eine Szene ein, die ich im Jahr 2000 erlebt habe. Da besuchte ich Bekannte auf einem Bauernhof. Eine der Töchter fragte ich mich gleich zur Begrüßung: "Wie viel Infineon-Aktien hast du gekriegt?" Ich hatte keine bekommen, weil ich gar nicht gezeichnet hatte. Aber es war beeindruckend: Der Aktienboom war wirklich bis in den letzten Winkel vorgedrungen. Damals haben auch Bild und Co. -Zeitung Anlagetipps gegeben. Und wir waren damals sehr genau am oberen Wendepunkt des Booms.

Also: Die Panik muss sich vielleicht von der Arztpraxis in der Stadt noch bis auf?s platte Land ausbreiten. Und die Bild-Zeitung muss vielleicht titeln "So retten Sie ihr Geld!" Dann könnte es sein, dass wir es bald geschafft haben.

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