Wiebes Weitwinkel
Welche Null ist eine Null?

Eine Runde haben wir hinter uns, aber die nächste wird mindestens genauso spannend. Wie viel werden die Finanzkonzerne in diesem Jahr noch auf dubiose Anlagen abschreiben? Die großen Banken stehen vor einem Problem.

Die Grundlinie der internationalen Rechnungslegung lautet: Der Markt hat immer recht. Stellen wir uns aber vor, jede Sparkasse müsste jeden Kredit, den sie gerade nicht verkaufen kann, auf null abschreiben. Nach der Logik: Wenn es keinen Markt gibt, ist der Marktwert null. Die Folge wäre dramatisch für die Bilanz der Sparkasse. Natürlich passiert das so nicht. Kredite werden traditionell zum Nominalwert bilanziert, solange sie ungestört laufen.

Aber die großen Banken, die eigentlich Kredite verkaufen wollten oder andere Kredite gekauft haben, stehen nun vor genau diesem Problem: Müssen wir das Ding abschreiben, wenn es im Moment keiner haben will? Eigentlich ja, wenn man der Grundlinie der internationalen Bilanzierung folgt; die Landesbanken etwa haben gerade beschlossen, das zu tun. In der Praxis gibt es noch alternative Wertansätze zu finden. Aber wer nicht abschreibt, setzt sich dem Ruf aus, nicht "klar Schiff" gemacht zu haben.

Es gibt verschiedene Strategien, mit diesem Problem umzugehen. Eine lautet: Tatsächlich klar Schiff machen. Dann muss man möglicherweise hohe Verluste ausweisen und vielleicht sogar den Chef in die Wüste schicken, um glaubwürdig zu bleiben. Dafür schlummern künftig in der Bilanz aber sogar stille Reserven, wenn die Kredite, die abgeschrieben wurden, weiterhin Zinsen abwerfen.

Die andere Möglichkeit: Käufer suchen, die zu einem niedrigen Preis einsteigen. Das heißt: nicht ganz so viel Verlust zeigen, dafür gibt es auch keine Reserven für die Zukunft. Außerdem wird so Geld verschenkt, wenn der Verkauf tatsächlich unter Wert erfolgt. Die dritte Möglichkeit: Möglichst wenig abschreiben und hoffen, dass es gut geht. Wenn man Glück hat und die Märkte sind nicht zu misstrauisch, verschenkt man so kein Geld und zeigt auch keine Verluste. Wenn es schief geht, ist der Imageschaden freilich besonders groß.

Das Problem für den Anleger: Er kann kaum unterscheiden, welche Bank in welchem Umfang nach welcher Strategie bilanziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%