Wiebes Weitwinkel
Wie die Prüfer prüfen

Monatelang haben die deutschen Wirtschaftsprüfer die Bilanzvorschriften geprüft, diskutiert, bewertet. Sie sind der Frage nachgegangen: Wie sind die zweifelhaften Papiere, um die sich die internationale Finanzkrise dreht, korrekt zu bewerten? Jetzt legen sie ein Positionspapier dazu auf den Tisch.
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Der eine oder andere Bankvorstand, dessen Institut noch ein paar Milliarden dubiose Anlagen auf der hohen Kante hat, dürfte sich brennend dafür interessieren. Auch für Kreditinstitute, die mit dem gefährlichen Gedanken spielen, einen angeschlagenen Konkurrenten zu übernehmen, ist die Frage zentral: Wie wird die Bilanz des möglichen Partners für 2007 aussehen und wie ist sie zu lesen?

Die Prüfer gehen ins Detail, wie es sich für ihren Berufsstand gehört. Aber auch dem Laien fällt sofort folgender Satz auf: "Die Verminderung des beizulegenden Zeitwertes eines Finanzinstruments aufgrund gestiegener Zinssätze oder der Illiquidität des Marktes stellt für sich genommen kein hinreichendes Indiz für einen objektiven Hinweis auf eine Wertminderung dar."

Ohne hier auf Details einzugehen: Mit dieser Formulierung wird bestätigt, dass Anlagen, für die der Markt zusammenbricht, deswegen nicht unbedingt abgeschrieben werden müssen. Sondern nur dann, wenn der "aktive Markt" aufgrund von "finanziellen Schwierigkeiten des Emittenten" verschwindet. Im Klartext: Wird der Schuldner schwach, ist abzuschreiben. Herrscht einfach nur allgemeines Chaos am Markt und niemand will mehr kaufen, dann nicht unbedingt. An einer anderen Stelle heißt es auch, wenn es "nachweislich" zu "Notverkäufen" komme, sei dies ein Indiz für einen "nicht mehr aktiven Markt". Auch das ist sehr wichtig: Selbst wenn Vermögen zu sehr niedrigen Preisen gehandelt wird, muss nicht unbedingt abgeschrieben werden. Es könnte sich auch um Notverkäufe handeln, die bedeuten, dass der Markt nicht mehr aktiv ist und somit auch keine Marktpreise für die Bilanzierung zur Verfügung stehen: Daher muss man auch nicht auf den Marktpreis abschreiben.

Die Positionen der Prüfer klingen sehr ausgewogen und vernünftig. Aber sie bestätigen den Eindruck: Ein radikales Abschreiben aller dubiosen Papiere nach dem Motto "Wir machen reinen Tisch" ist nicht in Sicht. Die Bilanzen bleiben ein Zahlenwerk mit erheblichem Deutungsspielraum.

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