Wiebes Weitwinkel
Zinslein an der Waage

Das Thema verfolgt uns: Steigen die Zinsen, wie weit steigen sie noch, wie wirkt sich das aus? Noch mehr als die Europäische Zentralbank steht die US-Notenbank, die Fed, im Blickpunkt der Märkte. Denn zumindest an den Aktienbörsen gilt nach wie vor ganz klar: New York gibt den Trend vor, allenfalls das Ausmaß der Kursbewegungen fällt in den USA und in Europa unterschiedlich aus.

Und die Finanzmärkte sind zurzeit, stärker noch als die Konjunktur, in einer Art Kippsituation: Keiner befürchtet, dass es so richtig nach unten geht, aber nach oben ist auch nicht mehr viel Spielraum. Jede an- oder abschwellende Zinsangst spielt so das Zünglein an der Waage.

Alle Augen richten sich daher auf den neuen Fed-Chef Ben Bernanke. Er ist schon einmal ins Fettnäpfchen getreten, hat was gesagt und gleich wieder zurückgenommen. Der Mann übt noch, das müssen wir ihm zugestehen. Aber er hat mehr Transparenz versprochen. Warum gelingt es der Fed trotzdem nicht, verlässliche Signale zu senden?

Es gibt einen Grund dafür, dass die Fed in der heutigen Phase keine deutlicheren Zeiten setzen kann. Und es gibt einen anderen Grund dafür, dass Notenbanken grundsätzlich eine Art Restnebel über ihrer Strategie wabern lassen. Der erste Grund ist, dass die USA eben nahe an einer Balance-Situation sind. Die bisherigen Zinserhöhungen waren nötig. Wie es weiter geht, hängt von der Konjunktur ab, wohl auch vom Dollarkurs. In dieser Situation muss die Fed sich alle Möglichkeiten offen halten. Sie schafft eigentlich keine zusätzliche Unsicherheit für die Finanzmärkte, sie spiegelt nur die Unsicherheit wider, die ohnehin schon da ist.

Der zweite Grund hat damit zu tun, wie Geldpolitik funktioniert. Es handelt sich eben nicht um ein mechanisches Spiel nach dem Motto: Zinsen rauf, Inflation runter – oder umgekehrt. Sondern Bernanke & Co. versuchen, bestimmte Erwartungen an den Finanzmärkten zu erwecken oder zu dämpfen – das ist die Feinsteuerung. Wer ganz genau sagt, was er vorhat oder wie er auf welche Daten reagieren wird, der gibt dieses Instrument aus der Hand. Daher ist der Ruf nach mehr Transparenz in der Geldpolitik verständlich, aber diese Forderung werden die Herren des Geldes immer nur unvollständig erfüllen.

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