Wiebes Weitwinkel
Zum Erfolg verdammt

Und jetzt Puma – eine der spannendsten deutschen Aktien der vergangenen Jahre. Die Übernahme durch den französischen PPR-Konzern kommt am selben Tag wie der Zusammenschluss der Immobilienriesen Unibail und Rodamco. Beide Beispiele zeigen, dass sich das Fusionskarussell heiß läuft.

Eigentlich sollte man meinen, dass Übernahmen sich vor allem dann lohnen, wenn die Börse lahmt. Denn dann sind die Aktien billig. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall: Je höher die Kurse steigen, desto mehr Übernahmen gibt es. Obwohl jeder weiß, was darauf sehr häufig folgt: Der Übernehmer muss Abschreibungen vornehmen, weil sich zeigt, dass er zu teuer eingekauft hat. Hat der Übernehmer mit eigenen Aktien bezahlt – oder sich günstig über eine Kapitalerhöhung zu hohen Kursen mit Cash eingedeckt – dann spielt das zwar rein finanziell keine Rolle: zu teuer gekauft, dafür aber auch entsprechend billig finanziert. In der Bilanz hinterlässt ein überteuerter Kauf aber in jedem Fall Spuren und kann auf Jahre den ausgewiesenen Gewinn schmälern. Das prominenteste Beispiel dafür lieferte vor Jahren die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone – ähnlich lief die vorausgehende Übernahme von Orange durch Mannesmann.

Zurzeit ist die Börse nicht so überteuert wie zur Jahrtausendwende, als der Mannesmann-Deal lief. Trotzdem zeigt sich wieder der Mechanismus: Die Börse brummt, das Fusionskartell dreht sich immer schneller. Dabei gibt es längst eine Rückkoppelung: Immer häufiger sind Fusionsgerüchte der Hauptgrund dafür, dass die Kurse noch weiter steigen. Das ist noch keine Blase, aber bereits ein ungesunder Mechanismus.

Bleibt die Frage: Was treibt die Übernehmer, deren Aktien ja meist schon bei Ankündigung des Deals unter Druck geraten? Rational, wie gesagt, wäre ja ein Kauf bei niedrigen Kursen. Doch zwei Motive dürften die Deals antreiben: Viele Unternehmen haben zu viel Geld. Und viele sehen keine Möglichkeit mehr, aus eigener Kraft so hohes Wachstum herzuzaubern, dass sie ihren eigenen Aktienkurs noch rechtfertigen könnten. Das ist das Problem: Wenn die Aktien heiß laufen, nehmen sie hohes Gewinnwachstum vorweg – und die Unternehmen sind zum Erfolg verdammt. Das heißt leider nicht, dass er auch eintreten wird.

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