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Wieczorek-Zeul lehnt in Namibia Entschädigungen ab

Namibia und Deutschland wollen ihre enge Zusammenarbeit weiter ausbauen. Besondere Zahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen lehnt die Bundesregierung aber ab. Sie erteilte damit Forderungen der Herero eine Absage, die wegen Kolonialverbrechen Reparationszahlungen von Deutschland erwarten.

dpa WINDHUK. Namibia und Deutschland wollen ihre enge Zusammenarbeit weiter ausbauen. Besondere Zahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen lehnt die Bundesregierung aber ab. Sie erteilte damit Forderungen der Herero eine Absage, die wegen Kolonialverbrechen Reparationszahlungen von Deutschland erwarten.

Nach einer Unterredung mit Namibias Präsident Sam Nujoma erklärte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul: "Unsere Zusammenarbeit bedeutet, dass wir uns allen Bürgern und Bürgerinnen Namibias gegenüber verantwortlich fühlen und dass es natürlich keine Zahlungen an besondere Gruppen geben wird".

Die Ministerin war am Mittag in Namibias Hauptstadt Windhuk zu einem viertägigen Besuch der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika eingetroffen. Anlass ist der 100. Jahrestag der brutalen Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama durch die kaiserliche Schutztruppe. Das dabei angerichtete Massaker wird von diversen Historikern als Völkermord gewertet. Wieczorek-Zeul will als erstes deutsches Regierungsmitglied an einer Gedenkfeier am Waterberg für die 60 000 Opfer des Herero-Aufstands teilnehmen. "Wir Deutschen müssen uns diesem dunklen Kapitel der Geschichte deutlicher stellen als bisher", sagte die Ministerin in Windhuk. Nur bewusstes Erinnern ermögliche Versöhnung.

Am Waterberg waren am 14. August 1904 in einer Entscheidungsschlacht unter dem Oberbefehl des Generals Lothar von Trotha Zehntausende Herero getötet oder in die Wüste getrieben worden, wo Männer, Frauen und Kinder verdursteten oder an Entkräftung starben. Wieczorek-Zeul will bei der zentralen Gedenkveranstaltung in einer Rede Deutschlands politische und moralische Verantwortung für die Vergangenheit und koloniale Schuld betonen. Die Ministerin wird auch mit Vertretern der Herero zu einem gemeinsamen Gespräch zusammentreffen und ein mit deutschen Mitteln finanziertes Kulturzentrum am Waterberg einweihen.

Die Bundesregierung hatte juristisch relevante offizielle Schuldanerkenntnisse bisher stets vermieden. Sie verwies darauf, dass es Namibia seit 1990 mit insgesamt 500 Mill. $ die höchsten Entwicklungsleistungen in ganz Afrika umgerechnet auf die Bevölkerungszahl zukommen lasse. Ein besonderes Augenmerk bei der Zusammenarbeit will die Bundesregierung der Landreform in Namibia widmen.

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