Wieder 16 Tote
Bisher größte Offensive Israels im Gazastreifen

Bei der größten israelischen Offensive in den Palästinensergebieten seit Beginn des Konflikts vor 17 Monaten sind am Mittwoch 16 Menschen ums Leben gekommen.

dpa GAZA/JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon bekräftigte, Israel werde "alles Notwendige tun, um den Krieg gegen die Palästinenser zu gewinnen". er schloss eine allgemeine Mobilisierung der Reservesoldaten nicht aus.

Am Mittwochabend erschoss die israelische Armee im südlichen Gazastreifen drei Palästinenser, die nach Medienberichten dabei waren, an einer von Siedlern benutzten Straße einen Sprengsatz zu legen. Israelische Kampfhubschrauber und Schnellboote beschossen am Abend ebenfalls Ziele im Süden der Stadt Gaza sowie in Rafah. Kampfhubschrauber der israelischen Armee feuerten mehrere Raketen auf ein Polizeigebäude in Chalchul bei Hebron (Westjordanland) ab. Dabei wurde ein Palästinenser verletzt.

Israelische Fernsehberichte, nach denen die israelische Armee am Mittwochabend im südlichen Westjordanland einen ranghohen Aktivisten der Fatah-Bewegung Jassir Arafats liquidierten, wurden hingegen von palästinensischer Seite nicht bestätigt.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte Israelss und Palästinenser in einem dringenden Appell auf, der Gewalt ein Ende zu bereiten und Verhandlungen aufzunehmen. Die Anführer beider Seiten müssen sich fragen, wohin die gegenwärtige Eskalation von Gewalt, Vergeltungsaktionen und Rache führt".

Im Gazastreifen waren bei schweren Gefechten am frühen Morgen mindestens sechs Palästinenser und zwei israelische Soldaten ums Leben gekommen. Zwei weitere Palästinenser erlagen in Krankenhäusern im Westjordanland ihren Verletzungen, die sie bei Zusammenstößen in den vergangenen Tagen erlitten hatten. In einem Dorf bei Nablus (Westjordanland) erschossen israelische Grenzpolizisten zwei Palästinenser, die angeblich Sprengsätze bei sich trugen.

Ein Mitglied der radikal-islamischen Hamas-Bewegung wurde bei einer schweren Explosion in einem Gebäude im Osten der Stadt Gaza getötet. Augenzeugen berichteten, israelische Kampfhubschrauber hätten Raketen durch ein Schlafzimmerfenster auf den dort liegenden Mann geschossen. Nach anderen Angaben starb der 27-Jährige bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes, an dem er arbeitete.

Die israelische Luftwaffe zerstörte am Mittag die Zentrale des Polizeichefs von Gaza, Abdel Rasik Madschaida. Die Residenz von Palästinenserführer Jassir Arafat wurde beschädigt, ebenso eine Blindenschule der UN in der Stadt.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks hat Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser der Armee Befehl gegeben, gegen jene Orte im Gazastreifen vorzugehen, von denen am Dienstagabend drei Kassam-II- Raketen auf die israelische Wüstenstadt Sderot abgefeuert worden waren. Dabei war ein 16 Monate altes Baby verletzt worden.

Scharon sagte vor Soldaten, sein Kabinett habe einen Plan gebilligt, wonach zuerst die militanten Palästinensergruppen zerstört werden müssten. Erst danach könne man an die Rückkehr zum diplomatischen Prozess denken. Außenminister Schimon Peres schwächte am Mittwoch seine Drohung ab, die Koalition wegen Scharons harter Haltung zu verlassen.

Inzwischen steht die Palästinensische Autonomiebehörde angesichts der unablässigen Luftangriffe der Israelis praktisch vor dem Zusammenbruch, wie die Tageszeitung "Haaretz" berichtete. Die Verwaltung in den wichtigen Zentren sei fast völlig gelähmt, weil die meisten Verwaltungsgebäude wegen der jederzeit möglichen Angriffe inzwischen evakuiert worden seien.

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