Wieder bei 0,91 $
Euro erholt sich nach Talfahrt

Der Euro hat am Dienstagnachmittag seine zuvor begonnene Talfahrt gestoppt und sich wieder knapp über 0,91 $ stabilisiert. Die Marke von 0,9050 $ erwies sich Händlern zufolge als stabiler Widerstand für die Gemeinschaftswährung, die am frühen Nachmittag auf bis zu 0,9051 $ gefallen war.

Reuters FRANKFURT. Händler begründeten die Einbußen des Euro unter anderem mit nachlassenden Euro-Käufen türkischer Banken und mit technisch motivierten Verkäufen. Ein Streit innerhalb der Staatsspitze des Landes hatte am Vortag die türkischen Finanzmärkte in Turbulenzen gebracht und massive Verkäufe der türkischen Lira ausgelöst. Von dem unerwarteten Anstieg der Industrieproduktion in der Euro-Zone konnte der Euro Händlern zufolge im Tagesverlauf nicht profitieren.

Gegen 20.20 Uhr MEZ lag der Euro bei 0,9103/05 $ und damit weiter mehr als einen US-Cent über seiner New Yorker Vortagesschlussnotiz. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs des Euro mit 0,9070 $ nach 0,9213 $ am Vortag festgelegt. Ein $ verteuerte sich damit auf 2,156 (2,123) DM. Zur japanischen Währung notierte der Euro mit 105,18 Yen, nachdem er am Morgen noch mit mehr als 107 Yen gehandelt worden war. Die US-Valuta wurde mit 115,55/60 (116,08/18) Yen gehandelt.

Händlern zufolge hat die Erklärung des türkischen Finanzministeriums, die Lira nicht abzuwerten, Spekulationen um eine Flucht türkischer Banken in harte Währungen gedämpft. Am Vortag hatten die Banken Devisen gegen Lira im Volumen von rund fünf Mrd. $ getauscht und damit den Euro gestützt. Händler bezeichneten dies jedoch als kurzfristigen Effekt. "Die zu Grunde liegende Euro-Nachfrage dürfte nicht zu substanziell sein. Wir hatten gestern (am Montag) wegen des US-Feiertages einen dünnen Markt, der wohl etwas übertrieben hat", sagte Steve Barrow, Währungsanalyst bei Bear Stearns in London.

Auslöser der Finanzmarkt-Turbulenzen war ein Streit zwischen dem türkischen Ministerpräsident Bulent Ecevit und dem Präsidenten Necdet Sezer. Ecevit hatte am Montag vorzeitig ein Treffen des einflussreichen Nationalen Sicherheitsrats verlassen und vor Reportern in Ankara gesagt, er sei vom Präsidenten beleidigt worden. Ecevit sprach von einer "schweren Krise" im Verhältnis zum Präsidenten.

Stimmung wechselt schnell

Händler sagten, mit den Kursverlusten des Euro habe sich die Stimmung von einem Tag auf den anderen gedreht. "Gestern war der Markt für den Euro eingenommen und heute gegen ihn," sagte ein Händler in London. Eine wichtige psycholgische Marke sehen Marktteilnehmer bei 0,90 $. "Wenn wir diese Grenze durchbrechen, werden viele Anleger das Handtuch werfen und damit für den Euro den neuerlichen Weg nach unten ebnen", sagte ein Händler.

Neben den US-Verbraucherpreisen zählt Analysten zufolge der Ifo-Geschäftsklimaindex, der ebenfalls am Mittwoch erwartet wird, zu den Schlüsselereignissen dieser Woche. Volkswirte prognostizieren für Westdeutschland im Januar zum achten Mal in Folge eine Verschlechterung. Im Durchschnitt erwarten sie einen leichten Rückgang auf 96,0 Punkte nach 96,5 Punkten im Dezember.

Auf die Äußerungen des Bundesbank-Präsideten Ernst Welteke zur US-Konjunktur und zur Inflation in der Euro-Zone reagierte der Euro nicht merklich. "Ich sehe die US-Konjunktur weit weg von einer Rezession", sagte Welteke am Dienstagabend in Düsseldorf. In der Euro-Zone bestünden weiterhin Inflationsrisiken, denen die Europäische Zentralbank (EZB) entschieden entgegen treten werde.

Nahezu unbeeindruckt zeigte sich der Euro auch von den Zahlen zur Industrieproduktion in der Euro-Zone im Dezember 2000. Wie das Europäische Statistikamtes Eurostat mitteilte, kletterte die Produktion der im Dezember noch elf Mitgliedsstaaten der Euro-Zone zum Vormonat saisonbereinigt um 2,0 % und im Jahresvergleich um 8,0 %. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einer Monatsveränderungsrate von 0,5 % und im Jahresvergleich mit einem Zuwachs um 4,6 % gerechnet. Analysten zufolge lassen die Daten nicht auf eine baldige Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) schließen.

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