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Wieder Diskussion um Videobeweis

Der Schiedsrichter-Skandal bei den US Open hat die Diskusson um die Einführung des Videobeweises im Tennis neu entfacht.

dpa NEW YORK. Der Schiedsrichter-Skandal bei den US Open hat die Diskusson um die Einführung des Videobeweises im Tennis neu entfacht.

Einen Tag nachdem Serena Williams bei ihrer Viertelfinal-Niederlage gegen Jennifer Capriati massiv benachteiligt worden war, wurde beim Grand-Slam-Turnier in New York Referee Mariana Alves aus Portugal suspendiert. "Das war einer der schlimmsten Abende in der Tennis-Geschichte", schimpfte Trainer-Guru Nick Bollettieri über die Vorkommnisse im Arthur-Ashe-Stadium.

Alves soll bei der Ansicht der Fernsehbilder, die ihre Irrtümer belegten, in Tränen ausgebrochen sein. Das hätte ihr erspart werden können, wenn sie am Schiedsrichter-Stuhl über einen kleinen Monitor verfügt hätte. Mittels des so genannten "Falkenauges", das den Ballabdruck im Fernsehen grafisch darstellt, wären gravierende Fehler vermeidbar. Allerdings betonte Turnierdirektor Jim Curley, das "Falkenauge" sei nicht hundertprozentig zuverlässig, es gebe Abweichungen, die sogar mehrere Zentimeter betragen könnten.

Bei der Qualifikation für die US Open war erstmals der "Auto-Ref" getestet worden. Das patentierte System sei in der Lage, mit Hilfe acht superschneller Kameras und Computer-Algorithmen die Flugbahn des Tennisballes und seinen Landepunkt exakt zu erfassen. In Echtzeit könne der Schiedsrichter dann via Monitor entscheiden, ob der Ball "gut" oder "aus" war, behauptet der kanadische Hersteller. Geliefert würden Wiederholungen in Fernsehqualität. "Wir halten es für genauer", meinte Curley, "aber es sind noch mehr Tests nötig."

Serena Williams hält die Einführung des TV-Beweises auf Dauer für unvermeidlich. Jennifer Capriati hatte dies schon zu Beginn des Turniers befürwortet. "Eine Menge anderer Spielerinnen tun dies auch", betonte die Amerikanerin. Zu ihnen gehört die Belgierin Kim Clijsters, die nach ihrer Handgelenksverletzung nur als Zuschauerin bei den Spielen ihres Verlobten Lleyton Hewitt auftaucht.

Clijsters hatte im diesjährigen Finale der Australian Open gegen Justine Henin-Hardenne zu leiden, als sie nach einer zu Unrecht überstimmten Linienrichter-Entscheidung im letzten Satz das 3:5 kassierte. "So etwas passiert nicht nur mir. Im Cricket werden doch die Fernsehbilder auch benutzt", erklärte sie. Im Eishockey werden seit Jahren bei umstrittenen Toren Videobilder ausgewertet.

Bedenken äußerte Lindsay Davenport: "Die Technik ist teuer, und ich weiß nicht, ob man sie überall installieren kann. Auf dem Centre Court sieht es toll aus, aber es gibt auch noch einen Platz 16 und 17." Dass das menschliche Auge beim heutigen Tempo des Spiels mitunter überfordert ist, räumte indes Andre Agassi ein: "Selbst ich habe manchmal Probleme, die Bälle zu sehen. Und ich tue schon fast mein ganzes Leben lang kaum etwas anderes."

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