Wieder einmal muckt ein vermeintlicher Fußball-Zwerg auf
Wo Fußball noch Hoffnung heißt

Bei stürmischem Wind und Dauerregen feierte Aserbaidschan jetzt das 0:1 gegen England wie einen Sieg.

BAKU. Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen England ehrten die Offiziellen des aserbaidschanischen Fußballverbandes ihren berühmtesten Fußballer. Vor dem Stadion in der Hauptstadt Baku wurde ein bronzenes Denkmal Tofik Bachramows enthüllt. Nach ihm ist auch das Stadion benannt. Wenn man weiß, dass Bachramow eigentlich Schiedsrichter war, der in der Funktion des Lininerichters 1966 im WM-Finale das Wembley-Tor hinter der Linie gesehen hatte und damit weltberühmt geworden war, könnte man vermuten, die aserbaidschanische Fußballkultur sei fortschrittlicher als geläufig bekannt. Denn welcher westliche Schiedsrichter kommt zu diesen Ehren? Viel interessanter war aber, dass die Ehrung im Beisein von Fifa-Chef Sepp Blatter geschah, und der hatte dazu noch Michel Platini und den Uefa-Vize Senes Ärzik mitgebracht. Es war also die große Fußballwelt gekommen, auch um ein von Uefa und Fifa gefördertes Fußballzentrum zu eröffnen. "Aserbaidschan ist auf die internationale Fußballbühne zurückgekehrt, und heute erwarten wir von Ihrem Land erfolgreichen Fußball", hatte Blatter gesagt.

Englands Kapitän David Beckham war nach seiner absichtlich verschuldeten zweiten Gelben Karte im Spiel gegen Wales und seiner Rippenverletzung zu Hause geblieben. Dennoch: Baku probte schon mal den Einzug des Fußballs als Popkultur. Die Zeitungen hatten dem "historischen Spiel" seit Tagen große Artikel gewidmet, in denen jeder Schritt der englischen Stars akribisch beschrieben wurde. Die Journalisten wunderten sich nur, dass Owen & Co. stumm und reserviert blieben - kein Interview für die Presse, die auch lernen musste, dass der "große Fußball" oft ein arroganter ist.

Der Trainer der Engländer, Sven-Göran Eriksson, war nach dem Spiel auch gleich verschwunden, ohne die Pressekonferenz zu besuchen. Dort saß der Trainer der Aserbaidschaner allein und erklärte das, was man als vermeintlicher Fußballzwerg nach einer 0:1-Niederlage gegen England nur sagen kann. "Aserbaidschan hat gezeigt, dass es auch vor großen Mannschaften keine Angst zu haben braucht." Carlos Alberto Torres, 60, ist ein gewaltiger Mann mit einer durchschlagenden Stimme. Er war 1970 der Kapitän der brasilianischen Weltmeistermannschaft. Seit Februar trainiert er Aserbaidschan. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg, wenn man die Punkte zählt.

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