Wieder Flüge mit Lebensmitteln von Ramstein nach Afghanistan
Afghanische Bevölkerung verschmäht US-Lebensmittel

Zum dritten Mal in Folge haben amerikanische Transportmaschinen in der Nacht zum Mittwoch Lebensmittel von der US- Militärbasis Ramstein nach Afghanistan geflogen. Nach Darstellung der Taliban werden die Notrationen von der Bevölkerung allerdings verschmäht.

dpa/ap/ddp RAMSTEIN/KABUL/BERLIN. Nähere Angaben zum Lebensmittel-Abwurf wollte eine Sprecherin des Luftwaffenstützpunktes in Rheinland-Pfalz am Mittwoch zunächst nicht machen. Bereits in den beiden Nächten zuvor hatten jeweils zwei Transporter vom Typ C 17 von Ramstein aus Lebensmittel über dem Krisengebiet abgeworfen. Die Hilfsgüter bestehen unter anderem aus Brot, Bohnen und Reis.

Abdul Hanan Himat vom Informationsministerium der Taliban sagte derweil am Mittwoch, die Bewohner der Provinzen Paktia und Chost im Osten des Landes vernichteten die Lebensmittel. "Die Amerikaner töten uns und greifen uns an, deren Lebensmittel benötigen wir nicht", sagte Himat. Ausgangspunkt der Hilfsflüge ist der US-Stützpunkt Ramstein. Über dem östlichen Afghanistan wurden bis Dienstag 35 000 Notrationen abgeworfen, wie das Oberkommando auf dem Stützpunkt in der Pfalz mitteilte. Die US-Luftwaffe hatte parallel zum Beginn der Angriffe auf Stellungen der Taliban-Miliz mit dem Abwurf von Hilfsgütern in dem von Bürgerkrieg und Dürre ausgezehrten Land begonnen. Die Hilfsrationen bestehen überwiegend aus Reis, Bohnen, Erdnussbutter und getrockneten Früchten. Jede Ration reicht nach US-Angaben aus, um einen Erwachsenen einen Tag lang mit Nahrung zu versorgen.

Hilfsorganisationen skeptisch

Der Abwurf von Lebensmitteln und Medikamenten ist bei den Hilfsorganisationen in der Region äußerst umstritten. Diese Aktion der USA sei Teil einer militärischen Strategie und keine humanitäre Operation, sagte die Sprecherin von "Ärzte ohne Grenzen", Kathrin Lempp, am Mittwoch in Berlin. Nur unabhängige Organisationen könnten zudem den Zugang zu allen Konfliktparteien sicherstellen. Wenn Militäroperationen und humanitäre Unterstützung künftig Hand in Hand gingen, werde die Hilfe unglaubwürdig, warnte Lempp.

Rainer Lang von der Hilfsorganisation "Kirchen helfen gemeinsam" nannte die Abwürfe einen "Tropfen auf den heißen Stein". Drei bis vier Millionen Menschen in Afghanistan bräuchten jetzt dringend langfristig große Mengen an Nahrungsmitteln und nicht nur sporadische Tagesrationen. Zudem seien solche Abwürfe sehr uneffektiv. Oft erreichten die Hilfsgüter nur die Stärksten, die Waffen und Transportmittel besäßen. Außerdem sei es durch die vielen Minen in Afghanistan für viele Hungernde zu gefährlich, sich die abgeworfenen Lebensmittel zu holen, sagte Lang im ARD -"Morgenmagazin". Die Leute sähen in den Abwürfen eher eine Art "Showeffekt" und keine echte Hilfe.

Auch Außenamts-Staatssekretär Jürgen Chrobog bestätigte nach seinen Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad die Skepsis der Hilfsorganisationen gegenüber den Lebensmittelabwürfen. Es sei nach ihrer Ansicht nicht gewährleistet, dass die Hilfe auch bei den bedürftigen ankomme, sagte Chrobog im Deutschlandfunk. Er wertete die Abwürfe als "Versuch zu helfen" und "Zeichen guten Willens".

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