Wieder Streiks im Osten
Lösung am Verhandlungstisch

Nach der Einigung auf eine neue Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie um die 35-Stunden-Woche hat IG-Metall-Streikführer Hasso Düvel die Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft erneut unterstrichen. "Wir wollen eine Lösung am Verhandlungstisch", sagte Düvel am Mittwoch im InfoRadio Berlin- Brandenburg.

dpa BERLIN. Beide Seiten müssten auf eine Lösung hinarbeiten, dann gebe es eine Chance für eine Lösung. "Es geht nur nicht, wenn auf einer Seite blockiert wird. Beide müssen sich bewegen."

Am Freitag werden die Arbeitgeber von Berlin, Brandenburg und Sachsen wieder mit der IG Metall verhandeln. Die Gespräche waren seit dem 12. Mai unterbrochen. Derzeit arbeiten die Ost-Metaller 38 Stunden die Woche, drei Stunden mehr als ihre Kollegen im Westen. Insgesamt sind 310 000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie im Osten beschäftigt.

Die Arbeitgeber wollen "ohne Vorbedingungen" in die Gespräche am Freitag zu gehen. Einen Stufenplan wie in der Stahlindustrie, in der die 35-Stunden-Woche bis 2009 kommen soll, lehnte Verhandlungsführer Roland Fischer weiterhin strikt ab. Der Präsident des Verbandes der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie, Bodo Finger, sagte am Mittwoch im InfoRadio Berlin-Brandenburg, "wir verhandeln und bemühen uns, diesen Arbeitskampf vom Tisch zu kriegen, aber: das Ergebnis muss stimmen".

Trotz der Einigung auf eine neue Verhandlungsrunde hat die IG Metall ihren Streik für die 35-Stunden-Woche im Osten am Mittwoch fortgesetzt. In Berlin, Brandenburg und Sachsen sind 8500 Metaller zum Arbeitskampf aufgerufen. Bestreikt werden nach Gewerkschaftsangaben zehn Betriebe. Beim Brandenburger Autozulieferer ZF Getriebe soll der Arbeitskampf am Donnerstag ausgesetzt werden. Düvel bezeichnete dies als "Zeichen des guten Willens".

Volkswagen erwägt nach Informationen der "Financial Times Deutschland", aus dem Arbeitgeberverband in Sachsen auszutreten und einen Haustarifvertrag abzuschließen, "sollte der Tarifkonflikt weiter eskalieren". Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf Kreise des Betriebsrats. VW ist mit 7400 Mitarbeitern größtes Mitglied des Verbands der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie.

IG-Metall-Vize Jürgen Peters bekräftigte unterdessen das zentrale Ziel der 35-Stunden-Woche und drohte erneut mit Aktionen in Westdeutschland, falls dies nicht durchgesetzt werden kann. "Wir wollen einfach nur den Grundsatz "gleiche Arbeit und gleiche Arbeitszeit für gleiches Geld" umsetzen", sagte Peters der "Bild"- Zeitung (Mittwochausgabe). "Wenn wir am Wochenende keine Lösung im Sinne eines festgelegten Stufenplans zur Einführung der 35-Stunden- Woche erreichen, wird der Westen den Osten unterstützen." Gegenüber der Hannoveraner "Neuen Presse" (Mittwoch) zeigte sich der designierte IG-Metall-Vorsitzende "beunruhigt und verblüfft" über das negative öffentliche Echo auf den Streik der ostdeutschen Metaller.

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