Wieder zum DFB?
Vogts auf Deutschland-Tour: „Auf jeden Fall zurück“

Am Samstag Zuschauer beim Pokalfinale in Berlin, am Sonntag Spion beim Testspiel der Nationalmannschaft gegen Kanada - und dazwischen Schlagzeilen-Lieferant in allen großen Sonntags- Zeitungen: Angesichts des bevorstehenden EM-Qualifikationsgipfels zwischen Schottland und Deutschland am Samstag in Glasgow ist "Berti" Vogts in seiner Heimat wieder omnipräsent und in aller Munde. Und er überrascht mit der Aussage, dass er "auf jeden Fall" wieder nach Deutschland will und sich sogar eine Rückkehr zum Deutschen Fußball- Bund vorstellen kann.

HB/dpa WOLFSBURG. "Man hat mich beim DFB immer fair behandelt. Vielleicht gibt es nach meiner Rückkehr aus Schottland die Möglichkeit, im administrativen oder im Nachwuchsbereich zu arbeiten", sagte Vogts, der von 1979 bis zu seinem Rücktritt 1998 für den DFB arbeitete und nach einem gescheiterten Engagement bei Bayer Leverkusen und einem Kurz-Abenteuer in Kuwait vor 15 Monaten in Schottland landete. Nach neun Niederlagen in 15 Spielen ist er dort vor dem brisanten Kräftemessen mit dem Team von Rudi Völler mächtig unter Druck geraten. "Ich habe volles Verständnis für die Kritik in Schottland, weil die Resultate nicht stimmen", so Vogts.

Dagegen fühlt er sich in Deutschland nach wie vor verkannt und seine Verdienste ungenügend gewürdigt, "bestimmte deutsche Medien" seien Schuld an seinem schlechten Image. "Ich habe meine Steuern bezahlt, habe weder Kinder entführt noch Drogen genommen. Probleme habe ich mit einer gewissen Gruppe von Journalisten", meinte er, "heute lache ich darüber".

Ahnensuche rund um den Globus

Weniger belustigt ist der 96-malige Nationalspieler und Weltmeister von 1974, dessen einzig großer Trainererfolg der EM- Titelgewinn 1996 war, über die Situation an seinem aktuellen Arbeitsplatz. Vogts räumte indes ein, dass er relativ blauäugig seine Unterschrift unter den Vertrag des Schottischen Verbandes (SFA) gesetzt hatte, um aus Kuwait "zum realen Fußball" zurückkehren zu dürfen. "Für mich bedeutete Schottland große Fußball-Tradition. Ich glaubte, dass es genug Schotten in der englischen Premier League gäbe. Inzwischen weiß ich, dass da mehr Isländer als Schotten spielen." Deshalb betreibt er derzeit rund um den Globus Ahnensuche: "Ich suche überall Spieler, die schottische Vorfahren haben, selbst in Australien."

Bei seinem Amtsantritt vermisste Vogts aber nicht nur ausreichend Spielerpersonal, sondern auch die nötigen Infrastrukturen. Es fehlten geeignete Trainingszentren für das Nationalteam, er habe Spieler erst einmal an das zwei Mal tägliche Training gewöhnen und Ernährungspläne aufstellen müssen: "Früher gab es vor dem Spiel Toast, Rührei und Bohnen."

Vogts wähnt sich mit seiner Verjüngungskur trotz der aktuellen Misserfolge langfristig auf einem guten Weg, und er fühlt sich in der neuen Wahlheimat ebenso pudelwohl wie seine Familie. Sohn Justin (15) "geht jeden Morgen mit einem Lächeln zur Schule. Das hat er in Deutschland nie gemacht". Der Filius wird deshalb, so Vogts, im Königreich bleiben und dort studieren. Sein Weg aber führt wieder nach Deutschland. Und das, obwohl "ich glaube, ich fühle manchmal schottischer als die Schotten". Vogts' Vertrag bei der SFA läuft zunächst bis zum Abschluss der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland.

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