Wiederaufbau bringt Baukonzernen nicht das schnelle Geld
Bauaktien profitieren kaum vom Hochwasser

Das Hochwasser im Osten hat Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. In der Hoffnung auf schnelle Gewinne haben viele Anleger auf Bauaktien gesetzt. Ob diese wirklich profitieren werden, ist unklar.

FRANKFURT/M. Das Wasser im Osten Deutschlands ist zurückgewichen, die Aufräumarbeiten sind voll im Gange. Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist allerdings immer noch unklar. Allein Sachsen schätzt die Höhe der Schäden auf über 16 Mrd. Euro, der Wiederaufbau von Straßen und Brücken wird nach Hochrechnungen des ADAC rund 1,2 Mrd. Euro kosten.

Was zerstört wurde, muss auch wieder aufgebaut werden, dachten sich viele Anleger in den ersten Tagen der Flutkatastrophe und trieben die Kurse der Aktien von Bauunternehmen, Bauzulieferern und anderen möglichen Profiteuren der Katastrophe in die Höhe. Werte wie Bilfinger Berger, Hochtief, Vossloh, Buderus, Dyckerhoff, Heidelberg Cement und Wienerberger verzeichneten an einem Tag Kurssprünge von teilweise über zehn Prozent. Auf den ersten Blick scheint die Schlussfolgerung der Anleger einleuchtend. Experten bezweifeln allerdings, dass die Trendwende in der lahmenden Baukonjunktur eingeläutete wurde.

Viele Investoren hätten sich in den vergangenen Tagen und Wochen mit der Frage nach möglichen Gewinnern der Flut an sie gewandt, heißt es bei der Investmentbank Merrill Lynch. Die knappe Antwort der dortigen Analysten auf die Frage, wer profitieren könnte: "Niemand, jeder verliert." Denn insgesamt wögen die Schäden für die gesamte Wirtschaft viel schwerer als die Vorteile, die einige Unternehmen durch mehr Aufträge haben könnten. Negativ sei beispielsweise die Unterbrechung der Arbeit auf Baustellen mitten im Sommer - einer der produktivsten Perioden des Jahres für die Bauwirtschaft. Zudem haben die Wassermassen auf vielen Baustellen erhebliche Schäden angerichtet, die zu Lasten der Bauunternehmen gehen.

Dazu kommt, dass das Geld für den Wiederaufbau nicht einfach vom Himmel fällt. "Möglicherweise werden Infrastrukturprojekte im Westen verschoben, um den Aufbau in den überschwemmten Gebieten zu finanzieren", befürchtet ein Aktienexperte. Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust, bringt das Problem auf den Punkt: "Was zerstört wurde, wird nicht unbedingt wieder aufgebaut."

Schmitt rechnet damit, dass in erster Linie kleinere, lokale Bauunternehmen Aufträge erhalten werden. "Denn gerade diese wurden schwer geschädigt", sagt er. Börsennotierte Konzerne wie Bilfinger Berger und Hochtief sind hingegen weder im Hausbau noch im Eisenbahn- oder Straßenbau aktiv. "Eher könnten für Bilfinger Berger und Hochtief größere Infrastrukturprojekte, wie der Bau von Tunneln, Dämmen und Brücken, interessant sein", sagt Achim Henke, Analyst bei UBS Warburg. Er rechnet bei Bilfinger Berger von zusätzlichen Erlösen aus der Flutkatastrophe von höchstens fünf Prozent, bei Hochtief schätzt er das Plus auf bis zu zwei Prozent.

Kapazitäten nicht einfach auszuweiten

Eher noch als die Baukonzerne könnten Spezialisten wie der Heizungsbauer Buderus oder Vossloh - tätig in der Eisenbahntechnik - vom Wiederaufbau profitieren. Analyst Henke geht von 25 000 bis 30 000 beschädigten Heizungsanlagen aus. "Groß werden die Auswirkungen bei Vossloh und Buderus zwar nicht sein, aber einige positive Effekte könnte es schon geben", meint auch Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Bei beiden Firmen erwartet er Auswirkungen erst im nächsten Jahr. "Man muss bedenken, dass ein Unternehmen immer knapp an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Und die Kapazität kann nicht einfach mal deutlich nach oben ausgeweitet werden", meint er. Zudem rechnet Könen damit, dass die Umsätze bei einigen Firmen zwar steigen werden, die Gewinne aber eher weniger. Denn in Katastrophenfällen verhielten sich viele Unternehmen solidarisch, um den Eindruck zu vermeiden, aus dem Leid anderer Gewinn zu ziehen, sagt er. "Ein solche Denkweise könnte schnell nach hinten losgehen."

Profitieren könnte der nach eigenen Angaben weltgrößte Ziegelproduzent, die österreichische Wienerberger. Das Unternehmen ist gerade in Deutschland, Österreich und Tschechien präsent, denjenigen Ländern, die am stärksten von den Wassermassen betroffen waren. Nach Meinung eines Analysten sollte der Wiederaufbau Wienerberger im nächsten Jahr Auftrieb geben.

Baustoffunternehmen wie Dyckerhoff und Heidelberg Cement werden nach Meinung von Analysten kaum profitieren können. "Im Haus- und Straßenbau wird wenig Zement benötigt, erst mittel- bis langfristig könnte es durch größere Projekte positive Effekte für Heidelberg Cement und Dyckerhoff geben", sagt Henke. Außerdem sei die britische Firma Readymix der Marktführer unter den Baustofffirmen in Ostdeutschland.

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