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Wiederaufbau der Frauenkirche ist «gelebte Einheit»

Dresden (dpa) - Mit der Dresdner Frauenkirche steht das größte einzelne Denkmalschutzprojekt Deutschlands kurz vor der Vollendung. Die Bekrönung der wiedererstandenen «Steinernen Glocke» 18 Monate vor der für den 30. Oktober 2005 geplanten Weihe dokumentiert mehr als nur die Leistung von mehreren Hundert Bauleuten, Architekten und Planern.

Dresden (dpa) - Mit der Dresdner Frauenkirche steht das größte einzelne Denkmalschutzprojekt Deutschlands kurz vor der Vollendung. Die Bekrönung der wiedererstandenen «Steinernen Glocke» 18 Monate vor der für den 30. Oktober 2005 geplanten Weihe dokumentiert mehr als nur die Leistung von mehreren Hundert Bauleuten, Architekten und Planern.

Für den Pfarrer Karl-Ludwig Hoch, in dessen Haus sich im November 1989 ein Kreis von Enthusiasten traf und den «Ruf aus Dresden» formulierte, ist es ein «Wunder». Der von Bürgern initiierte, in aller Welt geförderte Wiederaufbau ist eine Erfolgsgeschichte ohne Beispiel. «Er ist nicht nur die verwirklichte Einheit, sondern bereits erreichte Einigkeit», sagt der Trompeter Ludwig Güttler, Präsident der Fördergesellschaft. «Wir haben die Gunst der Stunde genutzt», erinnert sich Pfarrer Hoch, der die Einweihung des sanierten Originals als Jugendlicher 1942 erlebte. Drei Jahre später war der größte Kuppelbau nördlich der Alpen nach den Bombenangriffen vom 13./14. Februar in sich zusammen gestürzt.

Denkmalpfleger wachten über den Trümmerberg, verhinderten gar eine Sprengung, obwohl es in der DDR keine Aussicht auf einen Wiederaufbau gab. Über Jahrzehnte waren die Reste des 1726 bis 1743 von George Bähr erbauten Gotteshauses ein Mahnmal gegen Faschismus und Krieg, bis sich Ende der 1980er Jahre dort der Widerstand gegen das SED- Regime formierte. «Mit dem Fall der Mauer haben wir wieder Hoffnung geschöpft», sagt der 75 Jahre alte Theologe Hoch. Seine Initiative gewann Güttler für ihr Vorhaben, das mit dem «Ruf aus Dresden» am 13. Februar 1990 einen Siegeszug um die ganze Welt antrat.

Eine große Rolle dabei haben die Dresdner gespielt, die in der westlichen Welt wichtige Position bekleideten und die ersten Großspenden initiierten. Nach anfänglicher Kritik, Zweifeln und Widerständen vergrößerte sich mit jedem Meter Höhe der Kreis der Förderer, verstummten lautstarke Gegner, wurden gar Zweifler zu Gleichgesinnten und die Errichtung des Bauwerks zu einer «Welt- Angelegenheit». Zigtausende rund um den Erdball unterstützten diese bisher mit Spenden in Höhe von 92 Millionen Euro - vom Spargroschen über vererbte Vermögen bis zu sechsstelligen Summen.

Dazu kommen Sachleistungen wie die Steine, die von Steinmetz- Lehrlingen und-Meistern in ganz Deutschland als Gesellen- oder Meisterstücke kostenlos gefertigt wurden. Nach Kontroversen um Für und Wider sowie Finanzierung des Wiederaufbaus bekannten sich 1991 Landeskirche und 1992 auch die Stadt zu dem Vorhaben. Letztere sagte zudem die Finanzierung von zehn Prozent der damals auf 250 Millionen Mark geschätzten Baukosten zu. 1994 wurde die Stiftung Frauenkirche gegründet, in die Landeskirche, Freistaat und Stadt je drei Millionen Mark einbrachten.

Die Landeskirche überließ zudem Erbbaurecht für das Areal, auf dem am 27. Mai 1994 der erste Stein gesetzt wurde. Nach Bemühungen von Ost- und West-Politikern beschloss der Bundestag 1994 die Auflage einer Wiederaufbau-Münze, deren Erlös von 45 Millionen Mark in das «Kulturdenkmal ersten Ranges» floss. Damit wurde erstmals das Privileg des staatlichen Münzregals durchbrochen. Die in Umlauf gebrachten sieben Millionen Geldstücke waren der Grundstock der Finanzierung. Zudem wuchs mit ihnen der Bekanntheitsgrad für das ungewöhnliche Finanzierungsziel, mehr als die Hälfte der Mittel über private Spenden einzuwerben.

Getrübt wurde die Euphorie durch Diskussionen etwa um die Orgel. Die Stiftung beendete den Streit um die Rekonstruktion der 1736 von Gottfried Silbermann geschaffenen Orgel mit der Entscheidung für ein modernes Instrument im barocken Gehäuse. Obwohl es in technischen Details geringe Veränderungen gab, ist die Kirche originalgetreu wiedererstanden - nach alten Plänen und unter Verwendung des alten Materials. «Die Trümmersteine sind die gleichen wie die neuen, die lagen nur länger im Steinbruch», sagt Güttler. Sie symbolisieren die Vergangenheit ebenso wie die Mahnung zu Versöhnung und Frieden.

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