Wiedergutmachung für Kriegsverbrechen
Griechenland schließt Versteigerung deutschen Eigentums nicht aus

dpa ATHEN. Die griechische Regierung, die noch am Montag eine Versteigerung deutscher Liegenschaften als Wiedergutmachung für Kriegsverbrechen abgelehnt hat, schließt nun nicht mehr aus, dass es auch ohne Regierungszustimmung dazu kommen könnte. Im griechischen Rundfunk sagte Justizminister Michalis Stathopoulos am Donnerstag, er sei er sich nicht sicher, dass eine Beschlagnahme von ihm genehmigt werden müsse. Vor kurzem hatte der ehemalige Europaparlamentarier Ioannis Stamoulis damit gedroht, deutsche Liegenschaften wie das Goethe-Institut und das Deutsche Archäologische Institut zu beschlagnahmen und Ende September öffentlich zu versteigern.

Stamoulis vertritt die Hinterbliebenen von Opfern eines Massakers der Waffen-SS, die im Juni 1942 in der mittelgriechischen Stadt Distomon 217 Menschen ermordet hatte. Anfang Mai hatte der höchste griechische Gerichtshof entschieden, dass Deutschland die Hinterbliebenen von Kriegsopfern entschädigen müsse und griechische Gerichte die Klagen griechischer Bürger gegen den deutschen Staat verhandeln könnten. Das Urteil des Gerichts von Liwadeia, das Deutschland im Oktober 1997 wegen des Massakers von Distomon zu 9,4 Mrd. Drachmen (rund 56,5 Mill. DM) verurteilt hatte, wurde damit bestätigt. Deutschland berief sich dagegen auf Staaten- Immunität, wonach Privatleute nicht gegen Staaten klagen können.

Die griechische Regierung hatte am Montag zwar angekündigt, keine deutschen Liegenschaften beschlagnahmen zu wollen. Nun aber ist offen, ob das Justizministerium überhaupt zuständig für die Beschlagnahme ist. "Die Kläger berufen sich auf internationales Recht. Sollten sie zu den Beschlagnahmen schreiten, dann wird die deutsche Seite einen Widerspruch-Antrag stellen können", sagte Justizminister Stathopoulos.

Die deutsche und die griechische Regierung suchen nach einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Athener Zeitung "Ethnos" dringend nach einer politischen Lösung des Justizstreits. Es werde erwartet, dass der deutsche Außenminister Joschka Fischer während eines Besuchs in Griechenland Ende Juli mit seinem griechischen Amtskollegen Giorgos Papandreou über dieses Thema sprechen werde.

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